Full text: Das Lied von Hildebrand und Hadubrand und das Weißenbrunner Gebet

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IV. Umschreibung. 
Ich hörte sagen in alten Mären, daß einmal Hildebrand und Hadebrand, Vater 
und sein einziger Sohn , einander unerkannt, zusammenstießen im Zuge und sich Kampfes 
grüßten. Da ordneten die kühnen Helden das Kriegögewand, warfen Panzerhemden 
um und gürteten ihre Schwerter über die Ringe; als sie nun hin zu fechten ritten, 
sprach Hildebrand, Herbrands Sohn, der war so edel und weise, begann mit wenigen 
Worten zu fragen, wer sein Vater wäre, unter dem Männcrvolk, oder von welchem 
Stamm du bist? ob du mich dessen berichtest, lohn ich mit einem Dreifadengewand, 
o Held im Königreich, mir ist kund alles Menschengeschlecht." 
Hadebrand, Hildebrands Sohn, antwortete: „mir sagten alte, weise Leute unseres 
Volks, die nun gestorben sind, daß Hildebrand hieß mein Vater, ich aber heiße Hade 
brand; einst zog er nach Ostertand fort mit Dietrich und manichen Helden, stoh vor 
OtakerS Neid, ließ Peine junge Frau daheim, fein Kind unerwachsen, sein Heergeräth 
ohne Herrn, der eS handhabe. Nach Osterland fuhr er, seit Dietrichs, meines Vettern, 
Elend sich anhub, des freundeverlassenen Mannes; da mögt' es mein Vater nicht mehr mit 
Otakern halten, der herrlichste Degen, focht stets an der Spitze des Heers und stets war 
ihm Fechten das Liebste ; nicht wähn ich, daß er noch am Leben sey." — „ Reicher Gott 
vom Himmel, sprach Hiildebrand, daß du doch ja nicht zwischen zwei so nahverwandten 
Männern Kamps zulastest! Da wand er sich vom Arme gewundene köstliche Spangen, 
die ihm seither der Hunnenkönig verehrt hatte: „nimm ste hin, ich gebe sie dir zu Hül 
ben ! " — Hadebrand, Hildebrands Sohn, antwortete: „mit dem Speer soll man 
solche Gabe empfangen, Spitze wider Spitze, du alter Hunne, taugst zum Gesellen nicht, 
schlauer Späher, mit Worten trügest du mich, den Speer will ich aus dich werfen, bist 
ein so gealteter Mann und pstegest böser Listen; wisse, daß mir Seefahrer, die westwärts 
über den Wendelsee zogen, Kunde brachten von einer großen Schlacht , darin sey 
Hildebrand, Herbrands Sohn, gefallen, und darum glaube ich, er ist todt. " — 
Hildebrand, Herbrands Sohn, antwortete: „ das sehe ich schon an deiner Rüstung, 
daß du keinen edlen Herrn hast, und in diesem Reiche noch keine Reckenthat voll 
bracht; wehe, waltender Gott, wehes Geschick steht bevor! Sechszig Sommer und 
Winter bin ich herumgewallet, weit von meinem Vaterland, immer ward ich zu den 
vordersten Kriegern gestellt, auf keiner Burg hat man mir die Beine in Bande gelegt, 
nun soll mich mein eignes, liebes Kind hauen mit seinem Schwert, dahinstrecken mit 
seinem Bell, oder ich soll sein Mörder werden. Leichtlich mag es geschehen, wenn 
du tapfer streitest, daß du so einem edlen Mann die Rüstung abgewinnest, Raub bege 
hest an dem Leichnam, wenn du vermeinst, dazu einiges Recht zu haben. Doch der sey 
der schlechteste aller Osterleute, der dich vom Kamps abhalte, dessen dich so sehr Lüstet.
	        

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