Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

ordentlich bedeutsam erweisen sollte. Für den am 28. August 1763 verstorbenen Skri- 
benten Wisling war vorerst ein Ersatz nicht eingestellt worden; erst im November 1765 
brachte der Landgraf den bei der Marburger Regierung angestellten Kanzlisten Hallmann 
in Vorschlag, verlangte aber zunächst von Arckenholtz eine gutachtliche Äußerung, die 
dieser ablehnte 81), da ihm Hallmann nicht bekannt sei und er vor allem nicht wisse, ob 
Hallmann über die erforderlichen Sprachkenntnisse verfüge. Das war wohl nicht der Fall; 
jedenfalls kam der Landgraf auf seinen Vorschlag nicht zurück, sondern verfügte schon 
am 15. November, den bisherigen Fähnrich im Graffendorfischen Regiment Friedrich Wil- 
helm Strieder probeweise einzustellen und zu berichten, „wie derselbe einschlage". Am 
12. Dezember erstattete Arckenholtz diesen Bericht und faßte sein Urteil dahin zusammen: 
„wie ich denn auch, insoferne ihn bishero zu tentiren Gelegenheit gehabt, nicht anders 
gefunden, als daß er zu Verwaltung dieser Bedienung durch mehrere Erfahrung, mit der 
Zeit, gut einschlagen werde"82). Daraufhin erfolgte bereits am 13. Dezember Strieders Er- 
nennung zum Registrator mit einer Dienstanweisung, die sich mit der s. Zt. für Wisling 
ausgestellten vollkommen deckte. Gleichzeitig wurde er bei der Gesellschaft des Landbaues 
(Societe d'agriculture) angestellt mit der Aufgabe, deren gesamtes Schreibwesen zu erledigen 
und „alle acten, Bücher, Risse, modelle" zu verwalten. An Gehalt wurden ihm von der 
Bibliothek 150 Rthhx, von der Gesellschaft des Landbaues 50 Rthlr. zugebilligt. 
Um die Nachfolge von Arckenholtz bewarb sich am 12. Juni 1766 der Sohn Johann 
Hermann Schminckes, Friedrich Christoph Schmincke, der seit 1751 als Hof-Archivar an- 
gestellt war und darum bat, diese Stellung beibehalten zu dürfen. Seine Meldung kam 
dem Landgrafen offenbar nicht überraschend; denn schon am 13. Juni vollzog er die Er- 
nennung unter Zubilligung einer Gehaltszulage von 100 Rthlr. und mit einer Instruktion, 
die -in allen Teilen mit der übereinstimmt, die Arckenholtz erhalten hatte. Die Über- 
einstimmung geht so weit, daß auch hier wieder von den zwei Katalog-Abschriften die 
Rede ist, die für das Kabinett und die Kanzlei hergestellt werden sollten, und daß dabei 
mit keinem Wort darauf Bezug genommen wird, daß an diesen Abschriften schon seit 
Jahren gearbeitet wurde. Auch der bisherige Charakter der Bibliothek wurde erneut fest- 
gelegt: nach wie vor sollte ohne ausdrücklichen Befehl des Landgrafen kein Buch aus- 
geliehen werden -- den dafür Berechtigten stand die Einsichtnahme in den Räumen der 
Bibliothek und in Gegenwart des Bibliothekars offen 83). Dazu war am Montag, Dienstag, 
Donnerstag und Freitag Vormittags Gelegenheit gegeben 84); Besichtigungen durch Fremde 
konnten jederzeit stattfinden. 
Nach Jahresfrist, am 13.August 1767, unternahm es Schmincke, durch einen be- 
sonderen Antrag an den Landgrafen eine Erleichterung der Benutzung zu erreichen; er 
griff damit die Gedanken wieder auf, die schon sein Vater 1731 ohne Erfolg vorgetragen 
hatte 85). Es ist bemerkenswert, daß er dabei umgekehrt wie sein Vater verfuhr: während 
dieser seinen Vorschlag, vor allem den Landeskindern freien Zutritt zur Bibliothek zu ge- 
statten, an die Spitze eines Planes zur Beschaffung der benötigten Mittel setzte, schickte 
der Sohn diesen letzteren voraus und brachte erst zum Schluß den Antrag, daß die Be- 
nutzung der Bibliothek jedem „Bedienten und Unterthanen" offen stehen sollte, daß 
Bücher für 14 Tage allgemein verliehen werden möchten -- nur für Entleihungen außer- 
81) Bericht v. Arckenholtz, d. d. 14. XI. 1765. M. St. A. Casseler Geh-Bats-Akten. O. St. S. 7315. Nr. 9685. 
82) Bericht v. Arckenholtz, d. d. 15. XII. 1765. M. St. A. Casseler GeiL-Rats-Akten. O. St. S. 7315. Nr. 9685. 
83) Bestallung Schminckes. M. St. A. Casseler Geh-Rats-Akten. O. St. S. 7315, Nr. 9687. 
84) Schmincke, Friedr.Chph., Versuch einer Beschreibung der Residenz- u. Hauptstadt Cassel. Cas- 
sel 1767. 8.216. 
85) Vergl. S. 26. 
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