Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

daß die Wertung dieses Nachlasses durch die Erben von einer ganz anderen Grundlage 
ausging. Am 14. November 1753 lehnte die Schwiegertochter Kalckhoffs das Angebot von 
700 Rthlr. entschieden ab; habe doch ihr Schwiegervater selbst den Wert dieser Bücher 
und Handschriften auf 7000 Rthlr. geschätzt! Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß 
hier eine ungeheuerliche Überschätzung vorlag, wenn auch das spätere Urteil Friedrich 
Wilhelm Strieders, der dann den Gedanken einer hessischen Gelehrten-Geschichte ver- 
wirklicht hat, daß es nämlich „bloße Fragmente sind, ja daß öfters gar nichts, als die 
Aufschrift einer Sache zu Grunde liegt, nicht zu gedenken, daß man in manchen Paketen 
gar das nicht gefunden, was die Aufschrift besagW"), entschieden zu hart und einseitig 
gesehen ist. Die drei Sachverständigen wurden dann auch der Sachlage mehr gerecht, 
als sie in einem weiteren Gutachten vom 17. November darauf hinwiesen, daß die Mög- 
lichkeit zur Erwerbung einer derartigen Sammlung nur äußerst selten gegeben sei, daß 
man mit ihr gar manche seltene Stücke -- sie erwähnen ausdrücklich Rheinfelsische 
Copial-Bücher und Akten -- erwerben könne, die sonst nicht mehr zu erreichen sein 
würden, daß sich hier insbesondere auch wertvolles Material zur Geschichte des Landgrafen 
Moritz von seiner Abdankung bis zu seinem Tode finde; in Würdigung dieser Momente 
treten sie dafür ein, dem ursprünglichen Angebot 300 Rthlr. zuzulegen, also insgesamt 
1000 Rthlr. auszahlen zu lassen, „indem durch Erhaltung dieser Summe die Supplicantin 
genügsam befriediget". Sie scheinen sich aber bald davon überzeugt zu haben daß von 
einer Befriedigung noch keine Rede sein könne; denn noch bevor eine Entscheidung der 
Regierung auf ihren Vorschlag erging, änderten sie diesen dahin ab, daß sie die Abfindung 
auf 1100 Rthlr. erhöhten, aber zugleich anheimgaben, auch noch über diese Summe hinaus- 
zugehen. Um dem Sohn des Erblassers in seiner Notlage - er konnte infolge eines Schlag- 
anfalls nichts mehr verdienen - entgegenzukommen, beantragten sie, seinem Sohn Johann 
Christoph für drei Jahre ein Stipendium von jährlich 50 Rthlr. zu gewähren. Am 5. De- 
zember 1753 stimmte die Regierung unter Erhöhung der Abfindung auf 1200 Rthlr. zu, und 
als auch Elisabeth Sophia, die Ehefrau Adam Christoph Kalckhoffs, ihr Einverständnis 
erklärte, konnte Arckenholtz befriedigt in sein Tagebuch eintragen: „Im Dezember kam es 
endlich mit den Kalckhoffischen Mscr. zu Rotenburg auf die art zu Ende, daß die Erben 
davor 1350 Rthlr. bekamen und die Mscr. mit einer Anzahl gedr. Bücher hier in die 
Bibliothec abgeliefert waren." Hier wurden sie der unabweisbaren Neuordnung unter- 
zogen, zum großen Teil neu gebunden und in die „Manuscripta Hassiaca" eingereiht. 
Das durch die beiden Heidelberger Testamente von 1685 und 1686 gegebene Beispiel 
wirkte anregend: Friedrich I. hatte Vorsorge getroffen, daß seine Privatbibliothek nach 
seinem Tode (1751) nach Kassel überführt und der Fürstlichen Bibliothek zugewiesen 
wurde. Es handelte sich um 178 Werke mit 215 Bänden, deren Wert auf insgesamt 2781 
Rthlr. geschätzt wurde. Die Bibliothek umfaßte neben einer Anzahl von Werken aus den 
verschiedenen Wissensgebieten namentlich Bibelausgaben, Karten und Atlanten, vor allem 
aber wertvolle Werke zur schwedischen Geschichte und Literatur, durch die die in Kassel 
bereits vorhandenen, von Arckenholtz beschafften Bestände bestens ergänzt wurden. 
Von der Privatbibliothek Wilhelms VIlI., die ebenfalls nach seinem Tod (1766) mit 
der Fürstlichen Bibliothek vereinigt wurde, ist ein Katalog erhalten, der 281 vor allem 
geschichtliche, rechts- und staatswissenschaftliche, daneben aber auch - in Auswirkung 
seiner Reisen -- kunstgeschichtliche NVerke verzeichnet; die Zahl der darin enthaltenen 
bibliographischen Einheiten muß um etwa 200 höher angesetzt werden, da sich zahlreiche 
kleinere, geschichtliche und staatsrechtliche Abhandlungen darunter befinden. 
 
72) A. L. B. VIII. 
36
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.