Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

,.Instrumenta, Modelle und sonstigen sachen", die sich im Kunsthaus, und zwar in der geo- 
metrischen oder mathematischen Kammer, der optischen Kammer, der Uhr-Kammer, der 
physikalischen Kammer und der Dreh-Kammer befanden, wurde ihm auf seinen Antrag 
vom 29. Januar 1748 schon am 6. März 1748 wieder abgenommen G"). 
Aus dieser Entwicklung der Dinge erklärt sich, daß Arckenholtz erst am 29. Januar 
1748 darzulegen vermag, in welcher Verfassung er die Bibliothek gefunden und mit wel- 
chen Mitteln er deren Fortführung sicherzustellen gedenkt. Daß in diesem Bericht im 
Grunde dieselben Klagen und Forderungen wiederkehren, die schon von seinen Vorgän- 
gern erhoben und vertreten worden sind, zeigt, daß die bisher mehrfach ergangenen wohl- 
wollenden und verständnisvollen Entscheidungen tatsächlich ohne praktische Folgen ge- 
blieben waren. 
Schon bei der ersten Überprüfung der Bücherbestände, die Arckenholtz an Hand der 
vorhandenen, „obschon defecten" Kataloge vornahm, ergab sich, daß sehr viele sachlich 
zusammengehörende Werke infolge der Enge des Raumes so weit von einander getrennt 
aufgestellt waren, „daß man öffters von einer seite des Bibliothecs-Saals biß zum andern, in 
gantz entfernten Verhältnissen, dieselbe zusammen zu suchen genöthiget ist: wodurch nicht 
allein eine große unordnung entstehet, sondern auch das ansehen einer wohl eingerich- 
teten Bibliothec nothwändiger weise vergeringert wird" 61). Diesmal blieb es aber nicht nur 
bei der Entscheidung, die am 2. Februar 1748 dahin erging, „vor erweiterung der Biblio- 
thec soll gesorget werden" 62) - im August und September 1749 wurde die Wand zwischen 
dem Bibliothekssaal und der nächsten Kammer durchbrochen, wurden die nötigen Gestelle 
aufgeschlagen und damit Platz für eine ordnungsmäßige Aufstellung der Bücher ge- 
wonnenßß). 
Die Vollständigkeit oder vielmehr Unvollständigkeit der Bestände hatte schon den 
bisherigen Bibliothekaren immer wieder Anlaß zu ernsten, wohlbegründeten Vorstellun- 
gen gegeben, und es war auch für Arckenholtz nicht schwer, ein recht umfangreiches Ver- 
zeichnis von solchen Werken (1115 werden namhaft gemacht) vorzulegen, die in der 
Bibliothek fehlten, aber vorhanden sein sollten; daneben führte er 32 Werke an, deren 
Anschaffung ihm unbedingt geboten schien, und weiter 13, die unvollständig geblieben, 
nun endlich vervollständigt werden sollten. Die dadurch entstehenden Kosten berechnete 
er auf 433 Rthlr. 13 alb. Möglichkeiten, die gewünschten Bücher auch tatsächlich herbei- 
zuschaffen, waren reichlich gegeben, sei es durch die vor allem in Holland regelmäßig 
stattfindenden Versteigerungen, sei es durch den deutschen, auch örtlich vertretenen Buch- 
handel. Als erster machte er aber auch darauf aufmerksam, daß der Bibliothekar, um 
den Buchmarkt ausreichend beobachten und verfolgen zu können, „die interessanteste 
Memoires, Journalen, gelehrte und Politische Zeitungen" nicht entbehren könne. 
Die Frage war nur, wie die notwendigen Mittel beschafft werden sollten, eine Frage, 
die seit 1661 eigentlich ununterbrochen brennend war. Daß die damals bewilligten 100 Rthlr. 
pro Jahr schon nach einem Jahrzehnt (1672) auf die Hälfte herabgesetzt wurden, war 
Angelocrators Schuld, der es versäumt hatte, das Geld rechtzeitig für Bücherankäufe zu 
verwenden. Aber auch dann blieb es trotz immer wiederholter Versuche, regelmäßige 
Jahreszahlungen zu erreichen, bei dem von Anfang an geübten Brauch, die Anschaffungs- 
Vorschläge von Fall zu Fall vorzulegen und um Bewilligung der benötigten Mittel nach- 
zusuchen. Es sind im Laufe der Jahrzehnte gewiß erhebliche Beträge zur Verfügung ge- 
60) M. St. A. Casseler Geh-Bats-Akten. O. St. S. 7315. Nr. 9678. 
61) Bericht von Arckenholtz, d. d. 29. Januar 1748. A. L. B. II, 5. 
62) Extract Geh. Rats Protocolli, d. d. Gasse], 2. Februar 1748. A. L. B. II, 5. 
63) Arckenholtz, Journal 1749, August, September. A. L. B. II, 5. 
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