Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

vorzulegen, vermied es aber sorgsam, seinerseits dazu Stellung zu nehmen. Die Folge war 
denn auch, daß Röbers Ansuchen abgelehnt wurde -- er mußte sich damit abfinden, daß 
Münzkabinett und Handschriften-Zimmer für ihn verschlossen blieben 58'). 
Neuerwerbungen scheinen, soweit die vorhandenen Akten Auskunft geben, nur ein- 
mal vorgenommen worden zu sein. Am 28. Februar 1744 erhält Kuchenbecker die Er- 
mächtigung, bei der für den 3. März festgesetzten Versteigerung der Bücher des ver- 
storbenen Geh. Kriegsrats Möller die zu erwerben, die er selbst auf einer besonderen Liste 
in Vorschlag gebracht hatte. Diese Liste verzeichnet 44 Werke mit 82 Bänden, für die er 
246 Rthlr. in Anschlag brachte; er konnte tatsächlich 49 Werke mit 95 Bänden für 242 Rthlr. 
erwerben, von denen, wie er besonders bemerkt, etwa ein Drittel gut gebunden war. Der 
Zuwachs kam vor allem der historischen Abteilung zu gute; daneben waren Jurisprudenz, 
Daß zum ersten Mal seit Bestehen der Bibliothek ein Ausländer, der Schwede 
Johann Arckenholtz, zum Nachfolger ernannt wurde, erklärt sich daraus, daß Landgraf 
Friedrich I. gleichzeitig König von Schweden war. Arckenholtz hatte während eines Auf- 
enthaltes in Paris im Jahre 1730 seine Eindrücke, die er auf der Reise durch Frankreich 
gewonnen hatte, schriftlich niedergelegt und dabei betont, daß die wiederholte politische 
Verbindung Frankreichs mit Schweden seinem Vaterlande stets Nachteil gebracht habe; 
dabei hatte er sich auch in scharf-kritischer Weise über Kardinal Fleury ausgelassen. Diese 
nur zum persönlichen Gebrauch bestimmte Ausarbeitung war in Stockholm, während 
Arckenholtz als Registrator bei der Reichskanzlei arbeitete, in die Hände des französischen 
Sekretär bei dem Staatskomptoir beschäftigt werden konnte. Seine Stellung blieb aber, 
wie es scheint, doch gefährdet, und so benutzte König Friedrich die durch das Ableben 
Kuchenbeckers gegebene Möglichkeit, Arckenholtz in Hessen unterzubringen -- das Ein- 
verständnis seines Bruders und Statthalters Wilhelm machte den Weg vollends frei, und 
so konnte Friedrich am 27. Mail7. Juni 1746 in Stockholm die Ernennung vollziehen; die 
gleichzeitig ausgefertigte Instruktion schließt sich -in allen Teilen an die an, die 24 Jahre 
zuvor Schmincke erhalten hatte. Arckenholtz nahm seine Bestallung in Kassel entgegen, 
erbat aber sogleich einen achtlnonatlichen Urlaub nach Schweden, wo er bei dem gerade 
versammelten Reichstag seine Rehabilitation betrieb -- erreicht hat er sie erst zwei Jahr- 
zehnte später, nach seiner endgültigen Rückkehr in die Heimat. Dadurch war die Biblio- 
thek bis zum Juni 1747 tatsächlich verwaist; im Juli 1747 erfolgte die förmliche Über- 
nahme, wobei die Bibliothek „en gros", die Gegenstände des Kunsthauses -- Arckenholtz 
war in herkömmlicher Weie auch zu dessen Inspektor ernannt worden - aber „nach dem 
schon errichteten und bey der überlieferung noch eomplettirten Inventario, stück vor stück, 
übergegeben" wurde 5'). Die ihm durch die Instruktion übertragene Aufsicht über die 
  
58) Eingabe Kuchenbeckers und Entscheidung der Regierung, d. d. 4. III. 1744. A. L. B. 
59)-Arckenholtz, Journal 1747, Juli, A. L. B. II, 5. -- Nach diesem Wortlaut kann übrigens das hier 
gebrauchte Inventar nicht etwa mit dem bei Schminckes Tod vermißten identisch sein.
        

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