Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

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Eine weitere schwere Sorge war die Sicherstellung eines regelmäßigen Zuwachses. 
Die in seinem Bestallungsbrief gegebene Zusage, daß „zu Unterhaltung der Bibliothec jähr- 
lich ein gewisses verordnet sei", konnte Schmincke nicht davon zurückhalten, in seinem 
Bericht von 1722 nachdrücklich darauf hinzuweisen, wie notwendig das war; denn es 
„mangeln gar viele von denen Hauptoperibus in allen Fakultäten, desgleichen finden sich 
viele kostbahre Werke incomplet". Er ist der Verpflichtung, die ihm sein Bestallungsbrief 
auferlegte, alljährlich eine Liste der zur Anschaffung in Betracht kommenden Werke ein- 
zureichen, regelmäßig nachgekommen. Wir besitzen eine recht beträchtliche Anzahl von 
solchen Vorschlagslisten, die zeigen, daß er nicht nur die Neuerscheinungen des Buch- 
handels verfolgte, sondern sein Augenmerk vor allem auch auf Versteigerungen, Gelegen- 
heitskäufe beim Ableblen von Gelehrten usw. richtete. Gar manche dieser Anträge sind 
ohne Erfolg geblieben, andere haben rasche Genehmigung gefunden. Nach den erhaltenen 
Zahlungsanweisungen -- es ist kaum anzunehmen, daß sie restlos vorhanden sind - hat 
Schmincke in den 21 Jahren seiner Amtsführung rund 1150 Rthlr., d. h. im Jahr rund 
55 Rthlr. für Bücherkäufe ausgeben können. Damit war also der noch unter Landgraf 
Karls Mutter Hedwig Sophie 1672 festgelegte Jahrcsbetrag tatsächlich verausgabt worden, 
wenn auch nicht - wie es zunächst beabsichtigt war - in festen, gleichbleibenden Jahres- 
raten. Es bedurfte vielmehr des immer wieder zu erneuernden Antrags, um die Bewilli- 
vermehren durch den Erlös zweier Versteigerungen von Doppelstücken, die er 1723 und 
1724 durch den Buchführer Johann Bertram Cramer durchführen ließ; sie brachten eine 
Einnahme von 833 Rthlr.; als Reingewinn -- fast ein Viertel der Einnahme wurde durch 
die Unkosten verschlungen, und eine Anzahl von Büchern wurde nicht abgeholt, also auch 
nicht bezahlt - konnte er 596 Bthlr. für die Bibliothek verbuchen. Bei diesen Versteige- 
rungen blieben schließlich noch 289 Werke unverkauft"). Wenn auch die Liste der zum 
Verkauf gestellten Sücke nicht erhalten ist, so darf man doch im Hinblick auf die Zahl der 
zurückgebliebenen Werke vermuten, daß es sich dabei um den größten Teil der Doppel- 
stücke handelt, die 1677 von dem Bibliothekar Haas auf 603 Stück berechnet und zum 
Verkauf gestellt worden waren 48); der Einspruch des Hauses Botenburg hatte den Verkauf 
offenbar zum Stillstand gebracht. Nach einem Bericht Schminckes aus dem Jahre 1723 
war die Zahl der Doppelstücke inzwischen auf 1100 angewachsen. Aber diese gewiß er- 
freulichen Erfolge vermochten Schmincke nicht voll zu befriedigen. In seinem Bericht 
von 1729 klagt er erneut und fast mit denselben Worten, die er 1722 gebraucht hatte, dar- 
über, „daß auf der Bibliothec noch gar viel Hauptopera in allen Faculteten fehlen"; er 
wendet sich nun an den Ehrgeiz seines Landesherrn mit dem Hinweis, daß die Bibliothek 
und Zürich rühmt, die „ihre Bibliothecen ansehnlich vermehrt und in solchen Staat ge- 
bracht, daß sie sich wohl sehen lassen mögen". Wohl hatte man ihm eine Kommission 
zugesagt, die Mittel und Wege zur Förderung der Bibliothek ausfindig machen sollte -- 
geschehen war aber bisher nichts! Diese Ausführungen zeigen deutlich, daß Schmincke 
wirklich für seine Bibliothek lebte und sich nicht genug tun konnte, um sie immer mehr 
47) Bericht des Bibliothekars Arckenholtz, d. d. 24. Januar 1760. Anlage B. A. L. B. 
48) Vergl. S. 16. 
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