Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

ausgegangenen Iurnehmen operibus alle jahr eine specification zu Unserem Cabinet ein- 
liefern und darauf beflissen seyn, daß die nötig- und nützlichsten opera, jedoch jedesmahl 
mit Unserem Vorwissen, aus dem vorhandenen ordinairen Verlag zuwege gebracht und die 
Bibliothec damit gezieret und vermehret werden möge. . . . Über das soll Er auch in der in 
denen Sprachen, deren Er kundig, auf erfordern mit concipiren, interpretiren, übersetzen 
und schreiben, weniger nicht als sonst zu allem dem, wozu Er qualificirt erfunden wird, 
jederzeit ohnverdrossen sich gern und willig gebrauchen lassen, und was Er bey solchen 
seinem dienst und Verrichtungen erfahren wird, woran Uns, diesem Fürsten-Hause, auch 
sich behalten und Uns oder denen Unserigen zu nachtheil niemand im geringsten darvon 
offenbahren,  Darentgegen und von solcher seiner Bedienung wegen, wollen Wir ihm 
jährlich und eines jeden jahrs besonders, so lange diese bestallung wehre und Er Unser 
Bibliothecarius, Aufseher über die Mathematischen Instrumenta und Kunst-Cammer und 
Diener seyn und bleiben wird, gleich eingangs gemeltem Unserem gewesenen Bath und 
Bibliothecario Haumann seel. geben und entrichten lassen zu jahrssold und kleidergeld 150 
Reichsthaler, anstatt Deputat und Zulagen 134 Reichsthaler 4 alb., Korn 17 Viertell, Hafer 
2 Viertell, Weizen 2 Viertell, Gerste 16 Viertell, Erbsen 8 Metzen, Salz 10 Metzen, Carpfen 
1 Zentner, Hamell 8 stück, Schweine 2 stück, Wein 3 Ohm, Holz 10 Clafter und dann 
Hauszins 80 Reichsthaler treulich und ohn gefährden." 
Über das erste Jahrzehnt der Wirksamkeit Schminckes geben vor allem zwei Be- 
richts-Entwürfe 43) Aufschluß, die beide undatiert sind, von denen aber der erste noch ins 
Jahr 1722 gesetzt werden muß -- Schmincke sagt eingangs, daß ihm die Bibliothek „on- 
längst" anvertraut worden sei, und daß er sich „alsbald" über deren Zustand unterrichtet 
habe; der zweite ist spätestens im Jahr vor dem Tod des Landgrafen Karl (23. März 1730) 
erstattet worden -- die Bibliothek wird hier noch als die „Hochfürstliche" bezeichnet, 
während sie nach dem Regierungsantritt des Landgrafen Friedrich I., der gleichzeitig König 
von Schweden war, für die Dauer seiner Regierung „Königlich" genannt wird; außerdem 
bezieht er sich darin auf mündliche Vorstellungen, die er „im verwichenen Frühjahr", also 
spätestens im Frühjahr 1729 dem Landgrafen gemacht hat. Wenn auch die Entscheidung, 
die Landgraf Karl nach dem 1. Bericht gefällt hat, nicht erhalten ist, so läßt doch die Ver- 
gleichung der beiden Berichte die Entwicklung der Bibliothek wenigstens in ihren Haupt- 
zügen erkennen. 
Der größte und empfindlichste Mangel, unter dem die Bibliothek zu leiden hatte, 
war das Fehlen eines Katalogs. Wir wissen zwar, daß die Bibliothek unter Scholasticus 
- 0b von ihm veranlaßt, ist nicht überliefert -- nach Fächern aufgestellt war; die Ver- 
mutung, daß gleichzeitig ein Katalog angelegt worden ist, findet ihre Bestätigung in einem 
Schreiben Angelocrators vom 20. Juni 1640 44), nach dem ihm ein solcher übergeben worden 
ist. Er ist wohl auch noch vorhanden gewesen, als die Pfälzer Erbschaft einzuordnen war, 
da deren verhältnismäßig sehr rasche Einordnung in die Fürstliche Bibliothek ohne einen 
Katalog der bereits vorhandenen Bestände kaum hätte durchgeführt werden können. Auch 
Kuehenbecker scheint ihn noch überkommen zu haben. Am 22.Juni 1702 erinnerte ihn 
die Regierung an die in seiner - nicht erhaltenen -- Instruktion festgelegte Verpflichtung, 
ein zweites Exemplar des Katalogs - der also doch vorhanden gewesen sein muß! -- ab- 
 
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