Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

als Philipp Wilhelm mehrfach neue Forderungen aufstellte, die über den vorher aufgestellten 
Gesichtspunkt hinausgingen. Sein Verlangen wurde von Moras unterstützt, der auch darauf 
hinwies, daß die verlangten Werke teils auf besonderen Wunsch des Kurfürsten, teils vom 
verstorbenen Kurfürsten schon früher der Universitätsbibliothek vermacht worden waren. 
Landgraf Karl zeigte sich zum Entgegenkommen bereit und ermächtigte Jungmann, auf 
diesen Teil der Bibliothek zu verzichten, die auch jetzt noch einschl. der Werke, die die 
Kurfürstin Charlotte durch besonderes Testament vermacht hatte, auf mehr als 4500 Bände 
geschätzt wurde. 
Diese Bibliothek der Kurfürstin Charlotte hatte Jungmann schon Anfang Juli in 
drei Kisten eingepackt und einem „hessischen Saltzführer, Valentin Jungen genannt" mit- 
gegeben. 
Ihr folgte nach Erledigung der z. T. recht umständlichen Verhandlungen die Haupt- 
sendung: „11 gar große und 4 kleinere Kisten mit Büchern, sodann 4 Kisten mit den Globis" 
schickte er am 11.Juli durch neun hessische Salzführer nach Kassel an den landgräflichen 
Oberkammerrat Rudolph ab. „Gott der Allmächtig verleyhe, daß alles wohl und unversehrt 
überkomme, dan es sindt viele schöne und rahre Bücher, sonderlich in Englischer Sprache, 
auch schön gebunden; die Gesandte und viele von den Räthen, so die 19 Kasten gestern 
auf hiesigen marckt und oben darauf C. L. Z. H. gesehen, haben sich verwundert, daß ich 
alle diese Dingen in eine Woche getan, aber ich kan mit Wahrheit sagen, daß ichs mehren- 
teils dem Bibliothecario zu danken und zuzuschreyben habe" - mit diesem Schreiben kün- 
digte er die Absendung nach Kassel an, nicht ohne fühlbaren Stolz, daß ihm das aufge- 
tragene Werk so wohl gelungen war. 
Der Bibliothekar, dessen Hilfe Jungmann so anerkennend gedenkt, war Laurentius 
Beger, der 1675 die Bibliothek des Kurfürsten Karl Ludwig übernommen hatte, 1686 als 
Rat, Bibliothekar und Antiquar in die Dienste des Großen Kurfürsten trat und in dieser 
Stellung als Herausgeber des Katalogs der Berliner Münzsammlung bekannt geworden ist. 
Diese Anstellung war eine Anerkennung der Dienste, die Beger auch dem Großen Kur- 
fürsten b'ei Regelung der Erbschaft geleistet hatte. Beger beeilte sich, Jungmann von dieser 
Ernennung zu benachrichtigen, und ihm mitzuteilen, daß der Große Kurfürft ihm neben 
dem Jahresgehalt von 600 Rthlr. eine besondere Anerkennung von 300 Rthlr. habe zu- 
kommen lassen. Jungmann verstand den Wink und brachte unverzüglich _ am 24. August 
-- bei Landgraf Karl die in Aussicht gestellte Belohnung in Erinnerung mit der Bitte, 
dessen „recompens" zu „maturiren". Erneut rühmt er Begers „fleißige Cooperation, durch 
die er so zeitlich zu der übersandten Bibliothecq gelangt" sei. Am 27.August ließ Karl 
durch den Kammerschreiber Sartorius Jungmann eine Anweisung auf 450 fl. Frankfurter 
Währung zur Weitergabe an Beger übersenden. Iungmann selbst erhielt als Anerkennung 
300 Bthln, für die er unter Betonung seiner Pflicht als Landeskind am 25. September 1686 
seinen Dank ausspricht. 
Auf einem Blatt, das einer der Bücherkisten beigefügt war, bemerkte Jungmann 
mit Datum vom 22.Juli 1686: „. .. 3) hab ich in dieße Kiste gethan den mihr im April 
übersandten catalogum librorum Electoralium, geschrieben in fol. 4) dehn über der Churf. 
Frauen Wittiben Bibliothecq von Mr. Moras mihr zugestellten schriftlichem catalogum in 
fol." Den erstgenannten Katalog über die Bücher und Handschriften hatte Beger für die 
Übergabe in offensichtlich großer Eile aufgestellt; die Bücher sind hier wahllos ohne jede 
sachliche Gruppierung eingetragen, die Titel derart ungenau und unvollständig angegeben, 
daß es außerordentlich schwer, meist ganz unmöglich ist, die betreffenden Werke zweifels- 
frei festzustellen. Der rein praktische Zweck des Katalogs erhellt daraus, daß die Bücher 
nur nach ihrem Heidelberger Standort verzeichnet sind. Etwas genauere, aber im all-ge-
	        
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