Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

ger schützt den Übergang (Zusammenströmen) von Silber- und Goldflut. 75 P Vereinigung 
der silbernen und roten Jungfrau. Dann werden die 7 Gleichnisse zur Veranschaulichung 
derselben Symbolik in sieben Legendenbildern widergespiegelt: 79 P Die beiden Berg- 
männehen, 81 P der Rabenbaum mit silbernen Zweigen [Aeneas und Silvius nach V ergil VL], 
83 P der wiedergeborene König, 84 v der geläuterte Schlamm-Mensch, 86 P der zweiköpfige 
Jüngling mit Ei (Elemente) und Sonnenspiegel, 87 P der nackte verstümmelte Leichnam, 
der Frucht tragen soll, 88 P der Alte in dem Läuterungsbade. - Überall reiche südländische 
landschaftliche Umwelt. 
In einer dritten Gruppe schließen sich Bl. 90 P bis 96 P die üblichen sieben Planeten- 
bilder an, wie wir sie beim Passauer Kalendarium erwähnt haben, hier noch vermehrt durch 
eine Phiole in der Mitte, die wieder die symbolischen Figuren der Transmutation verwendet. 
Vgl. Tafel 14. Den Bchluß machen vier Bilder, deren erstes und letztes mit den symbol- 
haften Landschaften Anfang und Vollendung der Läuterung anzeigen (Bl.98P und 101 P) 
während das Spiel der Kinder den Wechsel von Wirken und Leiden (99 P), das Flußbild mit 
Bleiche undWasehplatz die Stadien der Reinigung ins Alltägliche übersetzt. -- Im Angelus 
Lucis: Öfen, Leuchter, Retorte, Vorgang des Siegelns u. a. 
Entstehung und Geschichte: 
Die durch die Zahlen 1584 und 1588 (auf dem Bild Bl. 99 F) gegebene Datierung in 
das letzte Drittel des 16. Jahrhunderts wird im übrigen auch durch die Details der Illu- 
strationen bestätigt, außerdem durch einen Druck des Splendor solis, der in dem „Aureum 
Vellus oder Guldin Schatz und Kunstkammer", Rorschach 1598 (als Traktat 3) erschien. 
Dieser Band wurde, wenigstens in den zahlreichen wunderlich betitelten Abhandlungen des 
ersten Traktatcs, einem ebenso berühmten wie sagenhaften Adepten des 15. Jahrhunderts 
Salomon Trismosinus alias Pfeifer, der als fahrender Laborant und Gaukler Europa durch- 
zog und in Venedig den Stein der Weisen fand, zugeschrieben. Die vorhandenen 15 Holz- 
Schnitte und 7 Phiolen-Abbildungen zeigen eine überraschende Übereinstimmung mit 
unsern Bildern. Diese sind allerdings ganz anders als die roh ausgemalten Holzschnitte in 
der Lage, uns die alchimistische Farbensymbolik der Zeit zu erschließen. Da sie außer- 
dem früher anzusetzen sind, darf man wohl annehmen, daß die Holzschnitte nach ihnen 
angefertigt wurden. 
H erkunft: 
Auf Grund einer ziemlich zweifelhaften Nachricht in einer Vorrede des Bened. Nicol. 
Petraeus zu des Basilius Innovatus [Valentinus] Chymischen Schrifften (Hamburg 1717; 
Sign.f3) hat Joh.Hern1.Schmincke den Ursprung unseres Codex in dem Allerheiligsten 
des Alchimisten-Kaisers Rudolf II. gesucht und dies in der Aussage eines Prof. Muth, der 
dem Landgrafen Moritz das Manuskript für 100 Dukaten verkaufte, bestätigt gefunden. 
Dieser soll die Erbeutung durch den ersten Besitzer im Böhmischen Kriege ausdrücklich 
behauptet haben, von dessen Erben er den Band angeblich erhalten habe. Da von 
den Angaben bei Petraeus so gut wie nichts für unsere Handschrift zutrifft, 
bleibt als einzige Stütze für diese Kombination die kostbare Ausführung und der 
malerische Stil, die nach dem Süden weisen. Aber das ist nur eine Möglichkeit unter 
vielen. Erwähnt wurde die Handschrift auch bei Arkenholz, Memoires concernant Christine 
Reine de Suede T. 2. (1751) p. 64, bei Friedr. Chr. Schmincke (Versuch S. 214) und schließ- 
lich bei Chr. Rommel in seiner „Geschichte von Hessen" Tl. 2, Anm. S. 244(1823), der sehr 
optimistisch meinte, daß man sich daraus über die „alchemistischen Kunststücke der da- 
aialigen und folgenden Zeit" belehren könne.
	        

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