Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

Entstehung.- 
Außer den kunstgeschichtlichen Argumenten, die nach obigen Darlegungen vor- 
läufig keine eindeutige Lösung der Frage zulassen, fehlen leider weitere Momente, die den 
Ursprung der Handschrift aufklären könnten. Aus dem Bl.165F und 167 P von späterer 
Hand zweimal eingetragenen Namen Rongies (Ronzies, Rouzies), den irgendwie zu deuten 
bisher nicht gelungen ist, ist eblenso wenig wie aus den in den Miniaturen verwendeten 
Fahnenfarben (rot-weiß und rot-schwarz), den Wappen oder Wappenzeichen (dem 
heraldischen Figurenschmuck von Kastilien und Leon: springender Löwe und Mauerturm) 
irgend ein Anhalt zu gewinnen. 
Herkunft: 
Schon Schubart (S. 40) stellte fest auf Grund des dem Bande eingeklebten Wappen- 
Exlibris mit der Inschrift: Ex Electorali Bibliotheca Bavariae ducum Sereniss. utriusq., daß 
die Handschrift aus einer bayrischen Hofbibliothek, und zwar der Heidelberger (jüngeren 
Palatina) stamme. Er las außerdem noch am unteren Rande auf der inneren Seite des 
hinteren Deckels mit sehr kleiner Schrift geschrieben die Notiz: Adi. 12. Septemb. aüo 1590. 
a. ser. prin: Guil: D. V. Bavariae ä Landishuta per N(?) Schwartzendorffer missus Monacü 
pro ducali Bibliotheca. Leider ist diese Notiz bei der Reparatur des Ledereinbandes (mit 
venetianischem Rankenwerk und morgenländischem Einschlag) und der Neuheftung der 
Handschrift im März 1905 verschwunden. Sie besagt jedenfalls, daß der Codex am 12. Sep- 
tember 1590 aus Landshut von Herzog Wilhelm V. von Bayern (1579-4597) durch einen 
gewissen Schwartzendorffer für die herzogliche Bibliothek nach München übersandt wurde. 
Wie sie dann, ob durch Tausch, durch Schenkung oder sonstwie nach Heidelberg kam, 
darüber ist nichts bekannt. Duncker (S. 223) nahm ebenfalls die Zugehörigkeit zur pfälzi- 
schen Hofbibliothek und die Herübernahme aus Heidelberg nach Kassel 1686 als sicher an. 
Er fand eine Bestätigung in Begers Verzeichnis unter Z in 2 0 Nr. 5. 
Literatur: 
Schubart, J. H. Chr.: Zwei italienische Handschriften der Landesbibliothek in Kassel. 
Zeitschr. f. Bibliothekswiss. Jg. 24 (1863), Nr. 3, S. 40 f. 
Wiese, Berth. u. Erasmo Percopo: Geschichte der italienischen Literatur. 
Miniatur von B1. 1481-. 
1910. S. 151: 
In: Serapeum. 
Abbildung der 
5. Kalender. Werke der Alchimie und Astrologie. 
1. Passauer Kalendarium: 20 Mss. astron. 1. - Tafel 13. 
Beschreibung: 
Pergt.Hs. 15.Jahrh. (1445). 112 Blätter (98 gezählte, 14 ungezählte am Anfang; 
Lagen zu 4 bis 5 Doppelblättern). Blattgröße: 36,5)(28 cm, Schriftspiegel: 24X 16,5 cm 
(Kalendertafel: 34X19 cm). Durchschnittlich 41 Zeilen. Kustoden. Rote Überschriften. 
Rote und blaue Initialen. Sorgfältige gleichmäßige gotische Kurrentschrift des 15. Jahr- 
hunderts, anscheinend durchgehend von einer Schreiberhand, der auch die Einzeichnun- 
gen auf den Einbanddeckel-Innenseiten zugehören. 
Text: 
Der eigenliche Kalender in Gestalt von Monatstabellen (mit Tierkreisbildern): Neu- 
und Vollmond, goldene Zahl, Tageslänge, Sonnenaufgang, Gestirnbewegungen u. Ä. für vier 
Zyklen 1444 - 1463 - 1482 -- 1501 auf den ungezählten Blättern 2 v bis 14 P. Vorangeht 
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