Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

eine, wenn auch bescheidene literarhistorische Würdigung seines poetischen und ge- 
lehrten Lebenswerkes versucht. 
2. Testament: B1. 194 v schließt sich daran das lateinische Testament Petrarcas, das er am 
4. April 1370 aufsetzte, in dem er auch seinen großen Bruder in Apoll Johannes de 
Certaldo seu Boccaccio mit einem Legat bedachte und über seinen kostbarsten Besitz, 
eine Madonna des ausgezeichneten Malers Giotto verfügte, die er von seinem Freunde 
Michele Vanni in Florenz erhielt, deren Schönheit Ignoranten zwar nicht zu würdigen 
verstehen, Meister der Kunst aber ehrfürchtig bestaunen. Die letzten Worte sind jenes: 
„Ego Franciscus Petrarcha scripsi quod testamentum aliud fecissem si essem diues ut 
uulgus insanum putat." 
3. B1. 200 P sind Petrarcas Bemerkungen über „Laura propriis virtutibus" aus der Virgil- 
handschrift abgeschrieben. 
4.Gelegenheitssonett mit der Risposta: B1. 200D als Ausklang das Gedicht: D. F. P. ad 
Antonium ferarien mit Risposta de Antonio a Miser Francesco. Es bezieht sich auf 
jenen Arzt zu Ferrara, Antonio de' Beccari, der im Jahre 1343, als Petrarca in Neapel 
weilte und schwer krank darniederlafg, das Gerücht vom Tode des Dichters verbreitete 
und ein allegorisches Gedicht „Petrarcas Totenfeier" verfaßte, auf das ihm der Dichter 
umgehend mit einem Sonett antwortete. 
Herkunft: 
Brunner gibt in seinen Aufzeichnungen an: aus der jüngeren Palatina. Duncker 
(a. a. O. S. 213 ff.) und auch Schubart wissen davon nichts. Auch in dem handschriftlichen 
Begerschen Verzeichnis der Heidelberger Bücher und Manuskripte 1686 habe ich eine 
Petrarca-Handschrift nicht entdecken können (unter lit. K. 19 in 4 "z Poesia italica?) Hand- 
schrift und Einband bieten für die Annahme oder sonstige Ermittlung keinen Anhalt, so 
daß für Lösung dieser Frage jede Möglichkeit fehlt. Über den Einband (einfacher farbiger 
Schweinslederband mit geringem Goldornament) sei lediglich noch ergänzend bemerkt, 
daß bei seiner Herstellung der Rand der Blätter so stark beschnitten wurde, daß sowohl 
die Paginierung wie bei den ganzseitigen Ausmalungen (B1. 10 v, 149 v, 150 F) auch manches 
von dem künstlerischen Schmuck verloren gegangen ist. 
Literatur: 
Schubert, J. H. Chr., Zwei italienische Handschriften der Landesbibliothek zu Kassel in: Serapeum. Zeit- 
schrift f. Bibliothekswiss. Jg.24 (1863), Nr.3, S. 36-40. 
Ancona, Paolo d': La Miniature italienne du 10. au 16.siecle. Trad. de P. Poirier. Paris, Bruxelles. 1925. 
Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd. 24 (1930), S. 123 f. 
2. Giovanni Boccaccio Il Filocolo: 20 Mss. poet. 3. -_Tafel 17, 
Beschreibung: 
Pergt. Hs. Erste oder zweite Hälfte des 15. Jahrh. 210 Blätter (bei der Foliierung ist 
hinter B1. 7 ein Blatt, jetzt 7a überschlagen; B1. 96 ist leer). Blattgröße: 33,5)(24,5 cm, 
Schriftspiegel: zweispaltig je 22,5 X 7,5 cm. Jede Spalte enthält durchschnittlich 44 Zeilen. 
Reicher Initial- und Miniaturenschmuck. Schrift in der kurrentaren Form der italienischen 
Rundgotik des 15. Jahrhunderts. 
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