Volltext: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

landen gab: Zu Antorff soll er beim Cassiodoro der ihm bewußten Bücher halben Be- 
stallung tun, und sonderlich soll er Fleiß anwenden, 0b der Landgraf die „vornehmen 
graecos und latinos patres, fein fleißig auf Pergament geschrieben" gegen gute Bezahlung 
bekommen könne 1). 
Landgraf Wilhelm hat, gestützt auf seine gute Allgemeinbildung, die Vorarbeiten 
für die Begründung der Bibliothek allein durchführen können; jedenfalls fehlt jede Unter- 
lage dafür, daß er sich insbesondere für den Briefwechsel mit Hotman und bei den Ver- 
handlungen mit Marburg unmittelbar fachmännischer Unterstützung bedient hätte. Im1ner- 
hin läßt sich die Vermutung nicht ganz von der Hand weisen, daß er sich über diese seine 
Pläne mit seinem ehemaligen Lehrer Johannes Buch ausgesprochen hat, der seit 1574 als 
Mitglied des Schöffenkollegs in Kassel und seit 1578 als Kasseler Ratsherr bezeugt ist, und 
den sein Zeitgenosse H. Vultejus als „virum literatissimum et antiquae fidei hominem" 
kennzeichnet. Stand doch dieser Mann, der im Jahre 1575 das 60. Lebensjahr vollendete, 
bei seinem fürstlichen Schüler in so hohem Ansehen, daß dieser ihm auch die Leitung 
der Erziehung seines Sohnes Moritz übertrug. Die beiden Männer standen in lebhaftem 
Verkehr miteinander, und es ist kaum anzunehmen, daß Wilhelm diesen nicht für seinen 
Bibliotheksplan nutzbar gemacht haben sollte. Die Mitwirkung Buchs ist für den letzten 
großen Bücherkauf vor der Eröffnung der Bibliothek, über den die Ehefrau des Cassiodorus 
Reinius in Frankfurt am 29. März 158() Rechnung legt, durch seine - bestätigende - Unter- 
schrift festgelegt; ebenso wurde am 5. September 1582 beim Ankauf der Büchersammlung 
des Nicolaus Rodingus verfahren. Es kann also keinem Zweifel unterliegen, daß Buch, 
der durch mehrjähriges Zusammenarbeiten mit dem Landgrafen über dessen Absichten 
wohl unterrichtet war, sogleich bei Begründung der Bibliothek zu deren Bibliothekar er- 
nannt worden ist. Daß er am 16. Februar 1584 von dem Marburger Professor Philipp 
Matthäus in einer Rede zum Tod des Landgrafen Philipp II. des Jüngeren, dessen Lehrer 
Buch gewesen war, zum erstenmal als Bibliothekar bezeugt ist, spricht keineswegs gegen 
die Annahme einer schon früher erfolgten Bestellung, wenn auch der urkundliche Nach- 
weis dafür nicht mehr zu erbringen ist. Buch hat dieses Amt zunächst nur wenige Jahre 
innegehabt. Rodolphus Goclenius, damals Professor der Physik in Marburg, bekannt auch 
durch seine meisterhafte Handhabung der lateinischen Sprache in wissenschaftlichen Ab- 
handlungen wie auch in zahlreichen Gelegenheitsgedichten, widmet in Verbindung mit 
zwei anderen Freunden, Hieronymus 'l'reutler und Jakob Thysius „Ioanni Rodingo, illu- 
strissimi Prineipis D. D. Guilielmi, Hassiae Landgravii, 8cc Bibliothecario" Glückwunsch- 
gedichte zu seiner Hochzeit - aus der poetischen Zueignung geht hervor, daß es sich um 
die zweite Vermählung Rodings handelt, die ins Jahr 1588 fiel. Spätestens also in diesem 
Jahr ist Buch als Vorsteher der fürstlichen Bibliothek durch Johannes Rodingus ersetzt 
worden. Daß Bodingus die Bibliothek dann auch tatsächlich verwaltet hat, ergibt sich aus 
einer Verfügung Landgraf Wilhelms vom 11.September 1591, durch die er den Kammer- 
schreiber Johann Kuchenbecker anweist, dem Bibliothekar Johannes Rodingus 100 fl. zum 
Ankauf von Büchern auszuzahlen _ der Landgraf wünscht vor allem die medizinischen 
Werke des Nicolaus Florentinus zu erhalten, die Rodingus mit Rat und Hilfe von Johannes 
Klauberger einzukaufen sich bemühen soll. In seine Amtszeit fällt die Erwerbung der 
Büchersammlung des Johannes Garnerius, der-in Avignon geboren-zunächst Professor 
der Theologie in Marburg gewesen und dann als Hofprediger 1574 in Kassel gestorben ist; 
über den Umfang dieser Erwerbung, für die am 16. Oktober 1592 40 fl. bezahlt wurden, 
ist nichts bekannt. 
1) M. st. A. o. w. s. 104.
        

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