Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

erwähnte in einer kurzen Charakterisierung, die er wohl wie Biehler von Kugler über- 
nahm, im übrigen konzentrierte sich, wie wir sahen, das ganze Interesse in der Hauptsache 
auf die Zeichnungen. Der kostbare Einband [vgl Tafel 19] aus gespaltenen Buchen- 
brettern mit kochenillerotem sämischgarem Lederüberzug, mit vergoldetem Messinfgblech- 
beschlag, Bergkrystallbuckeln in besonderer Fassung, aufgenieteten Rosetten und einem 
byzantinischen Elfenbein-Diptychon (zwei Engel, vier Heilige resp. Apostel; deutsche Nach- 
ahmung des 12. Jahrh. ?) ist 1892 von L. Bickell genau beschrieben und untersucht, er ist 
dann noch einmal 1899 bei Ludorff, Bau- und Kunstdenkm. Taf. 68 abgebildet. 
Der Erwerb der Handschrift ist genau festgelegt durch einen Eintrag auf der Innen- 
seite des Vorderdeckels: E Bibliotheca Monasterii Abdinghof in Paderborn consentiente 
atque donante R. Abb. Felice procurante vero R. E. Raspe transiit in Bibl. Smi. Hass. Landgr. 
mense Octobri 1773. Danach verdankt die Landesbibliothek den Erwerb der Handschrift 
dem Bibliothekar Rud. Erich Raspe, der im Herbst 1773 auf seinen Wunsch in das Gebiet 
des Fürstbischofs von Paderborn mit besten Empfehlungen gesandt wurde, um in den 
Klosterbibliotheken und -archiven Urkunden der hessischen Geschichte abzuschreiben. Bei 
dieser Gelegenheit brachte er die wichtige, von Georg Waitz in den Mon. Germ. hist. 
(S. S. XI, 104-161) publizierte „Vita Meinwerci" [40 Mss.hist.12: Pergt.Hs. Mitte des 
12. Jahrh.] mit heim, die ihm der Abt des Benediktinerklosters Abdinghof Felix Tüllmann 
übergab, ferner ein kostbares Evangeliar aus dem Zisterzienserkloster Hardehausen bei 
XVarburg (vgl. unten unter 2) und unser Evangeliar, das ihm der gleiche Abt als Geschenk für 
den katholisch gewordenen Landgrafen Friedrich II. anvertraute. Eine rechte Erklärung, 
was die Äbte von Abdinghof und Hardehausen zu einem so schwer wiegenden Schritt be- 
stimmte, so leicht auf älteste kostbarste Klosterschätze zu verzichten, hat man allerdings 
nicht finden können. (Vgl. Duncker, Ztschr. S. 128 und Schrader S. 9.) 
Literatur: 
Kugler, Franz in: Museum. Blätter für bildende Kunst (1834), Nr.l1 (1., übergegangen in: Kleinere 
Schriften und Studien zur Kunstgeschichte. Bd. 1 (1853), 8.52 ff. 
Biehler, T.: Über Miniaturmalerei (Wien 1861), S. 111. 
Lotz, Wilhelm: Statistik der deutschen Kunst des Mittelalters und des 16. Jahrhunderts (1862), Bd.1. 
Nachträge, S. 661. 
Duncker, Albert: Drei Briefe Rud. Erich Raspes an den Landgr. Friedrich II. von Hessen in: Zeitschrift 
d. Vereins f. hess. Gesch. u. Landeskunde. Neue Folge, Bd. 10 (1883), S. 127-129; vgl. auch Fr.X. Schra- 
der, Leben und Wirken des seligen Meinwerk (1895), S. 9. 
Janitschek, H.: Geschichte der deutschen Malerei (l886-1890), S. 100. (Geschichte der deutschen Kunst 3.) 
Clemen, Paul: Studien zur Geschichte der karolingischen Kunst 1. Die Schreihschule von Fulda in: Reper- 
torium der Kunstwissenschaft, Bd. 13 (1890), S. 134. 
Bickell, L.: Bucheinbände des XV. bis XVIII. Jahrhunderts aus hessischen Bibliotheken (1892), S.6 und 
Tafel 1. [Einband-Abb.] 
Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Kreis Paderborn, bearb. von A. Ludorff. Mit geschieht]. Einl. 
von W. Richter (1899), 8.42. 43. 107 f. Taf. 68. [Abb. von Bl. 130 (L. von Matthäus-Anfang), Bl. 121 v 
(J.) am Anfang des Inhaltsverzeichnisses, Bl.80v (Lucas-Anfang) und der Miniaturen Bl. 1 r, 2 v, 30, 
12r und vom Einband.] 
Beissel, Stephan S. J.: Geschichte der Evangelienbücher in der ersten Hälfte des Mittelalters (1906), S. 290. 
Zimmermann, E. Heinrich: Die Fuldaer Buchmalerei in karolingischer und ottonischer Zeit in: Kunstge- 
schichtliches Jahrbuch der k. k. Zentralkommssion. Bd.4 (1910), S. 101. 
Swarzenski, Georg: Die Salzburger Malerei. Textbd. (1913), S. 113, Sp. 2, Anm. 1. (Denkmäler der süd- 
deutschen Malerei des frühen Mittelalters, Tl.2.} 
Goldschmidt, Adolph: Die deutsche Buchmalerei, Bd.1 (1928), S. 23 f. 61 f. Taf. 81. 82. [Abb. von Bl.1r, 
2 v, 12 12] 
Boeckler, Albert: Abendländische Miniaturen bis zum Ausgang der romanischen Zeit (1930), 8.51 f. 
(Tabulae in usum scholarum ed.sub cura Joh.Lietzmann 10.}
	        

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