Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

macht. Unverkennbar sind die übrigen Nürnbergischen Arbeiten [Bl. 38-43], wie schon 
Woltmann betonte, ziemlich rohe und fast ganz wertlose schülerhafte Ausführungen. Sie 
passen kaum noch in den Rahmen und sind wohl von untergeordneten Kräften in Glocken- 
dons Werkstatt gemalt. 
Gebetbuch und Breviarium Grimani. Den wissenschaftlichen Spürsinn mußten natur- 
gemäß die niederländischen Bilder reizen, da sie die wertvollsten sind und außerdem 
wenigstens teilweise ein Signum tragen. Völlig problematisch bleibt die Sache, wenn man 
annimmt, daß dieses Zeichen nachträglich hinzugefügt wurde. Schaltet man diesen Zweifel 
aus, so haben sich immerhin im Zusammenhang mit den Forschungen über den Ursprung 
des berühmten Breviarium Grimani Möglichkeiten und mancherlei allerdings hypothetische 
Aufschlüsse ergeben. Auf Grund des Signums ß und zahlreicher bildlicher Übereinstim- 
mungen trat Destree, der zufällig in Knackfuß' Deutscher Kunstgeschichte blätternd an zwei 
Reproduktionen von Kasseler Gebetbuchblättern die frappante Ähnlichkeit in Stil und Aus- 
sehen mit dem Breviarium bemerkte, 1894 dafür ein, dieses Signum auf den bedeutenden 
Genter Buchmaler um die Wende des 15. Jahrhunderts Gerart Horenbout zu deuten und 
ihn so für einen Teil der Bilder in beiden Gebetbüchern in Anspruch zu nehmen. Sehen 
wir zunächst von der Person des Malers ab, so enthüllt tatsächlich schon ein flüchtiger 
Vergleich weitgehende verblüffende Analogien zwischen den niederländischen Bildern des 
Kasseler Gebetbuches und des Breviarium Grimani, wobei in der Hauptsache nur die 
figurenmäßige Bildkomposition ins Auge gefaßt werden soll, da die selbstverständlichen 
stilbedingten Angleichungen in den ornamentalen Randverzierungen kaum ausschlaggebend 
sein können. Geändert ist stets die Staffage und manches im Detail, öfter wechselt auch 
die Farbe. 
Der Christophorus [Bl. 10 F] findet sich in der gleichen Haltung mit dem Christus- 
kinde im BG. 1204, außerdem im Hortulus animae 516, ferner auch in den Horae der 
Maria von Burgund (Kaemmerer, S. 21). Nach Destree war der Heilige ein Lieblingssujet 
Horenbouts. Den Archetyp der Heiligengestalt vermutet Kaemmerer in einem Bilde Gerard 
Davids. Die heilige Katharina, im BG. 827 als linke Frauengestalt in einer Gruppe stehend 
taucht auf dem Kasseler Blatt 13 P als Einzelfigur auf, landschaftlich umrahmt, sonst in der 
Haltung unverändert. Ganz in der gleichen Weise zeigt sie eine Abbildung Coggiolas S. 165, 
die er aus dem Gebetbuch Kardinal Albrechts von Brandenburg (nach der Abhandlung von 
Ellis und Weale über dieses heute nach seinem Verbleib leider unbekannte Brevier) repro- 
duziert. Vgl. auch die Katharina im Hortulus animae 566 und 614. Porträtmäßig ent- 
sprechen diese Frauengestalten außerdem BG. 1578 und Hortulus animae 608, so daß man 
fast ein bestimmtes niederländisches Modell vermuten könnte. Gleichartige Anordnung der 
Gestalten weisen ferner auf: Heimsuchung [Bl. 16 u. BG.1159], die Krönung der Maria 
[Bl. 35 u. BG. 1295], der heilige Antonius [Bl. 37 u. BG. 1102]. Das Antoniusblatt, dessen 
Kostüme an die Zeit Philipps des Guten erinnern, ist vielleicht die Kopie eines um 1500 
entstandenen Bildes von Gerard David. Übereinstimmende Hauptfiguren oder Details 
treffen wir in der Darbringung [Bl. 22 u. BG. 981], Abendmahl [Bl. 26 u.BG. 418 Hinter- 
grund], Ausgießung des heil-igen Geistes [Bl. 28 u. BG. 394] und beim Rahmen der Geburt 
[Bl. 24 u. BG. 82 Bauerntanz]. Destree, der in der Revue de l'Art chretien die Kasseler 
niederländischen Bilder sehr ausführlich beschreibt, wies außerdem auf Ähnlichkeiten bei 
der Matthias-Gestalt und zwischen dem Thaddäus [Bl. 9 F] und dem Philippus des BG. hin. 
Ein Gegenstück im Hortulus animae haben: Anbetung [Bl. 20 u. H. 628, auch im Ms. Wein- 
gärtner]; Jakobus der Ältere [Bl. 7 P u. H. 459]; im Livre d'heures de Hennessy die Beichte 
{BL 33]. Bei den genannten Kasseler Blättern ist zu beachten, daß sie mit wenigen Aus- 
nahmen mit I-_B bezeichnet sind, wenngleich man zwischen den signierten und unsignierten 
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