Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

in angelsächsischer Schrift und solche in karolingischer Minuskel unterscheiden. 
vorhandene Rand- und Interlinearzusätze (Ergänzungen, Verbesserungen und 
proben) haben ebenfalls karolingischen Schriftcharakter. 
Einige 
Feder- 
Text der Hs. [nach Grein, Groß und Kauffmann]: 
B1. 1 v Oratio et preces contra obloquentes. 
„ 2 P Vorreden des Hieronymus und eines unbekannten Kirchenvaters zu den Salo- 
monischen Büchern, eine Vorrede Jesus Sirachs des Enkels. 
„ 3 P Kapitelüberschriften zum Liber Sapientiae des alten Testaments. 
„ 4 v Teil der 23. Homilie des Origines in numeros. 
„ 9P Liber Sapientiae. 
„ 25 P Jesus Sirach (Ecclesiasticus). 
„ 76P Gebet Salomos (1. Buch der Könige 8, 22-31). 
Nach Pongs schrieb die jüngere Hand die Oratio und den Teil der Homilie, während 
das übrige des genannten Inhaltes dem älteren Schreiber auf Grund des insularen Schrift- 
charakters zuzuweisen ist. Die erste und letzte Seite, die das Hildebrandslied enthalten, 
waren zunächst als Schutz- oder Schmutzblätter frei geblieben. 
Beigaben: 
Ein auf der Innenseite des hinteren Deckels eingeklebtes Pergamentblatt lat.-theo- 
logischen Inhalts in angelsächsischer Schrift von besonderer (dritter) angelsächsischer 
Hand enthält Stücke (biblische Sprüche) aus Jesajas (62, 2-4), Matthäus (1,18_21), den 
Briefen an Titus (2, 11-13) und dem Bömerbrief (1, le-ö), außerdem allerhand Zusätze, 
eine Zeichnung und zwei Personennamen: Uagarolf und Herirat, in denen man die Schrei- 
ber des Hildebrandsliedes vermutet hat, ohne allerdings diese Hypothese weiter stützen zu 
können( vgl. Kauffmann S. 124, Pongs S. 6). Die Grimms haben übrigens 1812 auch schon 
an dem ersten Namen herumgeraten und ihn möglicherweise auf den alten Eigentümer des 
Buches gedeutet. (Die beiden ältesten Gedichte S. 30.) 
Hildebrandslied: 
Blatt 11 und 76 v enthalten den bekannten Text des Hildebrandsliedes, fortlaufend 
als Prosa geschrieben in karolingischer Minuskel mit insularem Einschlag von zwei wei- 
teren Schreibern, auf der ersten Seite (Schriftspiegel: 23X15,5 cm) von Ik gihorta bis 
irmingot quad [30] auf 24 Zeilen, auf der zweiten Seite (Schriftspiegel: 22,5 X 15 cm) von 
hiltibraht obana ab hevane bis zum Schluß auf 29 Zeilen wesentlich enger die Buch- 
staben zusammengedrängt. Den Zeilenunterschied erklärte Steinmeyer (Jb. d. germ. Philol. 25. 
1903. S. 83) damit, daß Bl. 76 v bereits wie die übrigen Blätter mit 29 Zeilen liniert war, 
während dem Blatt IP als Vorsatzblatt die Linierung fehlte. Die Sache ist noch einfacher. 
Die Schreiber benutzten lediglich die eingeritzte Griffellinierung von Bl. 1 F und 76 v, die 
bei beiden verschieden war und die auf den Rückseiten sich durchdrückte. Daß die Schrift 
auf Bl. 76 v enger ist, erklärt sich aus dem Bestreben. den ganzen Text des Liedes auf die 
Seite zu bringen, was ja leider nicht gelang. 
Die Schreiberfrage zu lösen, hat schon größere Schwierigkeiten gemacht. Die Brü- 
der Grimm nahmen 1812 (S. 29 f.) einen deutschen Kopisten in Franken oder im Fuldischen 
Gebiet an. Wilh. Grimm unterschied dann auf Grund graphischer und orthographischer 
Abweichungen 1830 (Praefatio) zwei Hände und zwar sollten die ersten acht Zeilen von 
Bl. 76v (bis inwit) von anderer Hand sein, ebenso urteilte Lachmann 1833 (K1. Schriften 
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