Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

Band- und Interlinearglossen, auch Verbesserungen versehen. Schrift: Karolingische Minus- 
kel; sie ist auf manchen Blättern, vor allem am Anfang schon etwas verblaßt. Zahlreiche 
Schreiberhände sind beteiligt. 
Text. Emendator: 
Anfangswerte von einer Hand des 14. J ahrh.: pro emium Intestini belli a lucano heroico 
stilo translati. Der Text weist drei Lücken auf, die auch durch das Auszählen der Quater- 
nionen bestätigt werden und zwar fehlt zwischen den Blättern 32 und 33 ein Blatt 
(I Buch 3, Vers 485-544), ferner zwischen Blatt 46 und 47 ein Blatt (I Buch 4, Vers 
690-750) und zwischen Blatt 71 und 72 sind zwei Blätter ausgefallen (I Buch 6, Vers 
557-676). 
Am Schlusse des ersten Buches auf Bl. 12 v findet sich der auch in einigen andern 
Handschriften auftauchende Vermerk: „Paulus Constantinopolitanus emendavi manu mea 
solus", der den Spürsinn der Philologen besonders gereizt hat. Man deutete früher den 
Paulus auf einen Gelehrten und gewichtigen Kommentator des 5.16. Jahrh., der ohne Ge- 
hilfen oder andern Codex entweder weitgehend Konjekturalkritik übte (so Lejay und Beck) 
oder wenigstens den Text in Anmerkungen auslegte. Neuerdings hat dann Housman, 
nachdem schon Francken (vol. I, p.XXXV) im Gegensatz zu Hosius gegen sie Sturm 
gelaufen war, diese geheimnisvolle „paulinische Rezension" als Hirngespinst zerstört und 
von ihr nichts anderes als eine bedeutungslose Emendation mit gelegentlichen Korrekturen 
übrig gelassen. 
Titel: Das Werk wird teils als Pharsalia (so bei Francken), teils als De bello civili (so bei Hosius, 
Lejay) und Bellum civile (Housman) bezeichnet. Der Titel Pharsalia geht auf Lucans eigene Worte (IX, 985) 
zurück, er findet sich allerdings nur in einer späten Handschrift des 15. Jahrh., während die älteren Hand- 
schriften für „Belli civilis Libri X" zeugen. Die Form „de bello civili" wurde offenbar in Analogie zu Cäsars 
Werk gewählt und ist, da nicht genügend gestützt, abzulehnen. 
Entstehung: 
Zunächst wurde als Katalogvermerk hinzugefügt: XII saec.; dem entsprechend ist 
der Codex bis zu Lehmann (Fuldaer Festschrift S. 13) auf das 12. Jahrh. datiert. Schon 
Jakob Grimm machte im Handschriftenkatalog den Zusatz: „videtur esse codex seculi 
saltem decimi", was durchaus der paläographischen Prüfung entspricht. Außerdem ver- 
wies Grimm schon auf einen Vermerk am Rande des ersten Blattes: 
 ä 57} am."  
äsyiw m5 
d. i. Hermanni Dei gratia Thoringiae lantgravius 
et Saxoniae comes palatinus. 
Die Namensnennung darf wohl als Eigentümer-Kennzeichnung gewertet werden. Danach 
war der berühmte Schirmherr der Minnesinger, der Landgraf Hermann Besitzer des Codex. 
Daß nur dieser gemeint sein kann, ergibt sich durch den Zusatz des Pfalzgrafen. Diesen 
Titel führte außer ihm nur noch Hermann II., (ler 1239 mit 16 Jahren starb, und Heinrich 
Raspe (T 1247), die beide kaum in Betracht kommen. Vielleicht hat die Lebenszeit des 
Landgrafen Hermann um die Wende des 12. zum 13. Jahrhunderts Veranlassung zu der 
späten Datierung gegeben. 
15H
	        

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