Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

Text: 
Das Manuskript enthält die lat. Übersetzung von Flavius Josephus {Werk über den 
jüdischen Krieg (Usgi m13 701160102017 noläyotr), das dieser zunächst in seiner Muttersprache 
(aramäisch) schrieb und dann ins Griechische übersetzte. Die lat. Version wird dem Kir- 
chenvater Ambrosius zugeschrieben, wofür allerdings sichere Beweise nicht vorhanden 
sind. In der lat. Tradition wurde auch der Name Josephus in (Josippus)) Hegesippus ent- 
stellt. _ Dem Text fehlen die ersten acht Blätter, deshalb war die Handschrift zunächst 
auch seitenmäßig mit 17 beginnend numeriert, welche Paginierung noch in der Ausgabe 
von Weber-Caesar benutzt ist. Der Verlust umfaßt den Prologus und die ersten zwölf 
Kapitel. Etwa in der Mitte des 13. Kapitels setzt die Kasseler Niederschrift mit tat illa 
spirans uswß ein und endet Blatt 15811 mit aOpeS eorum appositus ab ipsis prius ignis 
consumsitt. Die fehlende erste Quaternio ist offenbar erst in späterer Zeit abhanden ge- 
kommen, jedenfalls läßt die Art der Heftung erkennen, wie Brunner zuerst feststellte, daß 
die Quaternio ursprünglich mit gebunden worden ist. 
Runen 11. a.: 
Auf dem Vorderdeckel und dem Rücken des alten Einbandes, der nur ein einfacher 
Pergamentumschlag ist und außer der Inschrift: historia Josephi anti[quitatum] libri V 
und der alten Fuldaer Signatur keinerlei Schmuck zeigt, sind schwach sichtbar Ein- 
ritzungen eingegraben, wie sie auch auf andern aus karolingischer Zeit stammenden Ein- 
bänden entdeckt worden sind. S0 enthält auch der Kasseler Codex 2" Mss. astron. 2, der 
ein Beda Werk mit verzeichnet [vgl. unten S. 26] Glossen eingeritzt. Die Strichelungen 
auf dem Josephus sind als Runen erkannt worden. Lehmann hat diese Runen (a. a. O. 
S. 16) nach Abzeichnung veröffentlicht und als Zeichen angelsächsischer Prägung bezeichnet; 
auf dem Rücken steht ein Runenalphabet, auf dem Vorderdeckel eine Summe von Zeichen, 
die in drei Gruppen zerfallen, von denen Lehmann die erste als Josepi entzifferte, was zu 
dem Inhalt stimmen würde. - Sonst findet sich auf B1. 45 P am Ende des ersten Buches als 
zeichnerischer Federversuch eine Schwurhand. 
Entstehung: 
Nach dem ersten Katalogvermerk wurde das Manuskript ins 9. Jahrhundert ver- 
setzt. Während F. Chr. Schmincke 1767 (Versuch S. 207) noch urteilte, die Handschrift 
des Hegesippi de Bello Judaico et vrbis Hierosolimytanae excidio, welche aus dem 9. Jal1r- 
hundert stammt, wird billig hochgeschätzt, schrieb schon Jakob Grimm an den Katalog- 
rand: wprocul dubio multo antiquior, exaratus videtur saeculo VII IHM. Nach einem weite- 
ren späteren Zusatz von anderer Hand geht die Datierung ins 6. Jahrh. auf Angaben von 
Prof. Traube zurück. Die modernen paläographischen Hilfsmittel haben sie bestätigt, so 
daß sie heute kaum noch bestritten werden dürfte. 
Geschichte und philologische Bedeutung: 
Nach J. Caesars Ausführungen in der Ausgabe Weber-Caesar S. 401 war der erste, 
der sich mit dem Kasseler Codex näher befaßte, der Professor Gottlieb Korte, der uns 
schon bei der Cicero-Hs. begegnete und den wir später auch noch bei der Lucan-Hs. tref- 
fen. Er habe den Kasseler Josephus bei den Anmerkungen zu seinen Plinius-Briefen und 
zum Lucan nicht nur mit außerordentlichem Lobe erwähnt, sondern auch bereits zu einer 
Herausgabe des Hegesippus benutzt, wenn auch nicht alles, was er lobe, gerade aus dem 
Cassellanus zu stammen brauche. F. Chr. Schmincke (Versuch, S. 207) und Hirsching
	        
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