Full text: Sendschreiben an Karl Lachmann über Reinhart Fuchs

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vermögen, nicht durchgängig lobenswerth, sondern nur hin 
und wieder besser gelungen. Es mangelt, zumal in der 
ersten hälfte des Werks, an wärme und ausführlichkeit, wie 
sie sich in einigen altfranzösischen behandlungen einzelner 
abenteuer, und vorzüglich in dem alten niederländischen ge- 
dicht kundgibt. Denn wenn auch die bei den Versen 938 
und 1791 (Vgl. zu 1605) geäufserte Vermutung grund hat, 
dafs schon in dieser ältesten uns bekannt gewordenen ab- 
schrift der text einigen änderungen ausgesetzt gewesen sei, 
so kann das dem werthe des ganzen nur geringen abbruch 
thun. Besonders ist von strenger metrischer regel, wie 
überhaupt in den erzeugnissen seiner zeit, auch bei Gliche- 
ser wenig wahr zu nehmen, und die oft gelenken, manch- 
mal ganz verwilderten verse scheinen der sitte des alten 
mafses zwar noch unterworfen, aber sie nicht mehr bewust 
zu üben. g, 
Wollte der umdichter die überlieferte grundlage des 
werks bestehn lassen und die äufsere form ins geleise brin- 
gen, so hätte er mit beidem schwere mühe gehabt. Er ist 
aber dabei nur oberflächlich ohne eigne gewandtheit Verfah- 
ren, und es war ihm angelegner, aufser jenen archaismen 
etwa noch einzelne fremde und im kreise seiner leser an- 
stöfsige ausdrücke zu entfernen. Dahin rechne ich aus 
606, burdziz 1586, pfulszh 740, die Von dem französischen 
gedicht wahrscheinlich dargeboten, vielleicht aber auch in 
Glichesers heimat geläufig waren. wilzer, das romanische 
viviers, doch schon ahd. eingeführt (Graff 1, 1087) wird 722. 
728 durch das deutschere ticlz ersetzt, und sät, an sich ein 
gutes heimisches, allein bei den mhd. dichtern wenig Vor- 
kommendes wort, allenthalben (833. 851. 865. 882. 933. 955. 
9721981) durch brumze. auch scräz und swelzerlzhc müs- 
sen weichen. 
Hinreichende gründe vereinigen sich dafür, um mit Vol- 
ler sicherheit dem alten dichter des Reinhart den Elsqjfs 
als Vaterland anzuweisen. Schon die namensform Gliclze- 
zäre läfst sich dafür geltend machen, sie stimmt zum ahd. 
liklzzkäri bei T. und O. , und weicht von lichisciri bei N.
	        

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