Full text: ProfilBildung

schulreife an der GhK anfangen können, die Hochschule 
belasten und im Studium nicht erfolgreich sind. Sie sind ent- 
schieden ein belebendes und ein integrierendes Moment des 
Qualifikationsprozesses. In Kassel gibt es wirklich die beiden 
Stufen, in denen jemand schrittweise überlegen kann: Was 
interessiert mich mehr, will ich rasch einen Einstieg in den 
Beruf finden, oder will ich mehr Zeit verwenden für Dinge, 
die mich dann vielleicht in die nähere Forschung führen? 
Man muß natürlich sehen, daß die erste Qialifikationsstufe 
in der Anfangszeit eher genutzt wurde, um möglichst schnell 
in den Beruf zu kommen. Wem will man das auch Verden- 
ken? Mitunter wird auch die zweite Studienstufe als „Ver- 
weilschleife" verwendet. Aber dann haben wir eben die 
Aufgabe, etwas daraus zu machen. Die Absolventen, die 
andernfalls ohne Berufseinstieg „draußen" sind, die sind doch 
ihrem Schicksal überlassen. Insgesamt muß man aber her- 
ausheben, daß Kassel studentenfreundlich ist, nicht im Sinne 
der etwas abgestandenen „Gemeinschaft von Lehrenden und 
Lernenden", sondern dadurch, daß es Chancen gibt, auch 
an einen Hochschullehrer „heranzukommenf Dafür erhält 
Kassel bei allen vergleichenden Untersuchungen immer Spit- 
zenwerte. 
U.H.: Nun sagen Kritiker, diese Gesamthochschule sei mit 
den ihr übertragenen Aufgaben überfordert: Wissenschaftli- 
che Kurz- und Langstudiengänge anzubieten, zugleich inter- 
disziplinär zu sein, die Kunstfachbereiche zu integrieren, die 
Funktion einer Pädagogischen und Technischen Hochschule 
zu erfüllen und das gesamte Fächerspektrum abzudecken, 
das sei eine Überforderung und angesichts mangelnder Aus- 
stattung auch kaum noch zu leisten. Herr Oehler, denken 
Sie, daß das ein zu hochgestecktes Ziel ist? 
Oe: Aus der Alltagsperspektive gibt es tatsächlich so etwas 
wie die „unverschuldete Kasseler Krankheit". Es gibt zuviel 
Initiativen, zuviel Refommodelle, zuviel Ideen für ein Auf- 
baustudium als was im Rahmen des notwendigen Vertei- 
lungsprozesses der Ressourcen zu bewältigen ist. Das ist eine 
Gefahr. Hinzu kommt, daß die Gründergeneration abtritt. 
Ich bin aber gegen Nabelschau. Jede Hochschule hat eine 
Gründergeneration, dann kommen andere; die machen, wie 
sie glauben, vieles besser, jedenfalls vieles anders. Aber bei- 
des zusammen, die „Kasseler Krankheit" und das Abtreten 
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Interview
	        

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