Full text: ProfilBildung

Straffung und Konzentration der Studiengänge. Die Behaup- 
tung der damaligen Gegner gegen unsere Hochschulreform, 
daß alle Hochschulen zusammenbrechen würden, wenn wir 
diese Partizipation einführen würden, die haben sich nun 
wirklich nicht erfüllt, was man schon daran erkennen kann, 
daß die Grundzüge, d. h. alle wesentlichen Momente unse- 
rer Hochschulgesetzgebung, heute nach 25 Jahren nach wie 
vor im Gesetz stehen und somit Bestand hatten. Daß jetzt 
gewisse Veränderungen in der Diskussion sind, das sehe ich 
gelassen. 
U.H.: In der Gesamthochschule Kassel gibt es unbestritten 
ein Element aus dem damaligen Ideenreservoir, das sehr weit 
getragen hat: die Idee der integrierten Studiengänge. Kön- 
nen Sie uns dazu ein bißchen mehr sagen, Herr Oehler? 
Oe: Die Hochschulsozialisation muß heute, wie gesagt, eine 
andere sein. Viele Studierende - es sind zwischen 30 und 
40 Prozent -, die ihr Studium ohne Abschluß abbrechen, 
kommen in den tradierten Studiengängen nicht mehr zu einer 
Berufsqualifikation. Ich glaube wirklich, daß die Gesamt- 
hochschule, insofern sie solche integrierten Studiengänge 
anbietet wie in Kassel, gerade für diese Probleme das bessere 
Modell ist, nämlich im Vergleich zu der jetzt einheitlich pro- 
pagierten Trennung in berufsbezogene Studiengänge an Fach- 
hochschulen und wissenschaftsbezogene Studiengänge. Ich 
halte es einfach nicht für wahr, daß es in diesem Sinne zwei 
Sorten von Studenten und zwei Sorten von Hochschulleh- 
rern, zwei Sorten von Wissenschaftlern und zwei Sorten von 
Berufswelten gibt. Wir beobachten einen immer differen- 
zierteren Qiualitätsbedarf in der Wirtschaft und vielfältige 
Integrations- und Differenzierungsformen in der Hoch- 
schulausbildung. Und die Vorstellung, die Fachhochschulen 
seien wirklichkeitsnah, die Universitäten versponnen, tut 
jedenfalls den Gesamthochschulen-und hoffentlich auch den 
anderen-unrecht. Die integrierten Studiengänge sind genau 
an diesem Punkt angesiedelt. Man muß sich nicht gleich 
entscheiden: Was liegt einem mehr? Man hat statt dessen ein 
Curriculum, in dem das nicht vorsortiert ist, sondern ver- 
schiedene Berufsbezüge und F orschungs- bzw. Wissenschafts- 
komponenten integriert sind. 
Es würde auch kaum jemand unter den Hochschulleh- 
rern in Kassel sagen, daß diejenigen, die mit Fachhoch- 
Gründungs-Perspektiven 
88
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.