Full text: ProfilBildung

einzigen Stadt wie München oder Berlin studieren. Dann 
wurden es fünf Prozent, und man hörte, daß viele gar nicht 
Studierfähige hinzugekommen seien. Dann wurden es ca. 
zehn und dann an die 20 Prozent. 
Oe: Vielleicht noch eine Story hierzu: Ich war eine Zeitlang 
Mitglied eines der Ausschüsse der Bund-Länder-Kommis- 
sion für Bildungsplanung, und wir Planungsstatistiker waren 
damit befaßt, die Quote der Studienberechtigten vorauszu- 
schätzen. Wir Planer hatten uns durchgerungen zu 25 Pro- 
zent, und der Einwand der Kritiker lautete nicht: „Das kann 
man nicht bezahlen", sondern: „So viele Studierfähige kann 
es niemals geben." 
v.F.: Die Klage über den Mangel an Studierfähigkeit ist in 
hohem Maße auch Ausdruck der Vorstellungen darüber, wer 
an die Hochschule gehört und wer nicht. Es ist schwer zu 
definieren, was Studierfähigkeit ist, zumal da auch die Anfor- 
derungen keineswegs immer identisch sind; insbesondere 
nicht die Anforderung auf seiten der Abnehmer. Wenn Sie 
heute hören, was die Wirtschaft von den Hochschulen und 
Schulen verlangt, so ist das etwas ganz anderes als das, was 
es noch vor fünf oder zehn Jahren war. Denn jetzt geht es 
plötzlich um Kategorien wie Kreativität, Teamfähigkeit, Inno- 
vationsfähigkeit, Gruppenarbeit und so fort - also das, was 
man bisher immer von sich gewiesen hat, indem man aus- 
schließlich Fachkenntnisse im einzelnen, angefangen mit 
Bruchrechnen, Grammatik, Orthographie und Vokabeln, ver- 
langte. Selbstverständlich gibt es viele Hochschullehrer, die 
oft wirklich verzweifelt darüber sind, welche Schwierigkei- 
ten Studierende haben, deutsche Texte zu formulieren oder 
sich in ihrer eigenen Muttersprache auszudrücken, und dar- 
über, ob sie überhaupt gewisse Grundkenntnisse mitbringen. 
Nur, grundsätzlich von daher bestimmen zu wollen, wie viele 
studierfähig sind, also etwa genetisch oder biologisch oder 
wie immer man das tun will, - diese Versuche sind alle geschei- 
tCIT. 
U.H.: Woher bekommt man dann Maßstäbe? 
v.F.: Maßstäbe erhalten wir doch eher aus dem internatio- 
nalen Vergleich; also: Wenn man davon ausgeht, daß die 
deutsche Bevölkerung weder dümmer noch klüger ist, als 
andere es sind, dann sieht man im Vergleich, daß wir kei- 
neswegs exzessiv viele Studierende an den Hochschulen
	        

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