Full text: ProfilBildung

den besseren Ausbildungswegen, also Gymnasien und Uni- 
versitäten, und die große Menge der Bevölkerung war davon 
ausgeschlossen und konnte eher noch eine handwerkliche 
Lehre machen. Daneben konnte man aus dem breiten Reser- 
voir an Arbeitskräften je nach Bedarf durch innerbetriebliche 
Ausbildungen einzelne hochziehen - aber ohne jede formale 
Berechtigung. Berechtigungen hatten im Grunde nur dieje- 
nigen, die über das Gymnasium zur Hochschulausbildung 
gekommen waren. Und genau das ist zutiefst undemokra- 
tisch. 
U.H.: Somit haben wir heute eine Demokratisierung der 
Chance, arbeitslos zu werden, erreicht? 
v.F.: Bildungsexpansion bedeutet zunächst eben auch, daß 
selbstverständlich nun auch diejenigen, die auf Grund ihrer 
Begabung und, weil sie aus den richtigen Familien stammen, 
eine Hochschulausbildung einbringen können, ein sehr viel 
höheres Risiko der Beschäftigung übernehmen müssen-was 
die anderen ja immer getragen haben. Es ist insofern tatsäch- 
lich eine Demokratisierung der Chance, arbeitslos zu wer- 
den. Deshalb belassen es konservative Regierungen nicht 
dabei, sich einfach auf den Lorbeeren der Bildungsexpan- 
sion auszuruhen. 
U.H.: Der Begriff der Bildungskatastrophe wurde 1964 von 
Picht geprägt. Mit der dann einsetzenden Öffnung und Aus- 
weitung des Bildungssystems stieg bis heute der Anteil der 
Studienanfänger in Unis und Fachhochschulen an einem 
Altersjahrgang auf rund 30 Prozent. Werden diese zweifel- 
los demokratischen quantitativen Erfolge nicht durch eine 
Nivellierung des Bildungsniveaus bezahlt? Herr v. Friede- 
burg, wie stehen Sie zu der Thematik „Studierfähigkeit der 
Studentinnen und Studenten"? 
v. F.: Das ist, um mit Theodor Fontane zu sprechen, ein wei- 
tes Feld. Ich selbst habe ja in den vier bis fünfjahrzehnten, 
in denen ich jetzt an Hochschulen als Studierender oder Leh- 
render tätig bin, folgendes miterlebt: Als ich mein Studium 
begann, waren es drei oder vier Prozent der jeweiligenjahr- 
gänge, die studierten. 1947, als Herr Oehler und ich unser 
Studium begannen, wurde dringend vom Studium abgera- 
ten, weil man jetzt Bauern und Handwerker brauche, aber 
keine Akademiker. In ganz Deutschland studierten damals 
etwa 100.000 Studenten. Das waren weniger, als jetzt in einer
	        

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