Full text: ProfilBildung

auf Untersuchungen zum Kunststudium, zur Kunstpraxis, 
zur Künstlerförderung und documenta-Wirkung speziali- 
siert". Vor allem aus der Überzeugung, es müsse mehr zur 
Förderung der Absolventen von Kunsthochschulen getan 
werden, holte er im Verein mit anderen Anfang der achtzi- 
ger Jahre mehrere Ausstellungen Junger Kunst nach Kas- 
sel - wie die internationale Kunststudentenausstellung Ger- 
minations (1983 und 1985) und die Übersichtsschau der 
Stipendiaten der Villa Massimo (1983 und 1985). Die Unter- 
nehmungen waren nicht unumstritten, sie belebten aber die 
Kasseler Kunstszene nachhaltig, und sie zeigten, daß man- 
ches möglich ist, selbst wenn keine entsprechenden Etatmit- 
tel vorgesehen sind. Der langfristig wichtigste Effekt aber 
war, daß diese vornehmlich im Fridericianum und gelegent- 
lich in der Orangerie gezeigten Ausstellungen die zur glei- 
chen Zeit laufende Diskussion um die Nutzung des Frideri- 
cianums belebten und die Idee fördern halfen, das Haus für 
die documenta zu sichern und zwischen den documenten 
dort einen Kunsthallenbetrieb einzurichten. 
Ebenfalls eine große Ausstrahlung über die Hochschule 
hinaus hatten die Ausstellungen und Vortragsreihen, die das 
von Floris M. Neusüss geleitete Fotoforum in den siebziger 
Jahren initiierte. Diese Aktivitäten leisteten ein Doppeltes: 
Sie arbeiteten die Geschichte der Fotografie auf und führten 
mit äußerster Konsequenz bis zu der Frage, was wir eigent- 
lich mit dem täglich produzierten Bilderberg anfangen sol- 
len. Außerdem bereiteten sie in einer Zeit, in der Hoch- 
schulausstellungen eher die Ausnahme bildeten, einer 
öffentlichkeitswirksamen Selbstdarstellung der künstlerischen 
Fachbereiche den Boden. Später folgten die „Metaller" der 
Klasse Fiebig, die sich mit der Ausstellungs-„Box" auch ein 
eigenes Forum schufen, und das Atelier Kramer. 
Zu einem zielstrebigen Dialog zwischen Hochschule und 
Region trug daneben die Keramik-Klasse von Ralf Busz bei. 
Keramik-Ausstellungen und Symposien gehören zum festen 
Bestandteil in und rund um Kassel. Gleichzeitig gelang es, 
Busz und seinen Mitarbeitern die „Keramik Kasselm bun- 
desweit zu einem Begriff zu machen. Obwohl die Keramiker 
nach wie vor im Fachbereich Kunst aufgrund ihres hand- 
werklich gebundenen Sonderweges keinen leichten Stand 
haben, schafften sie es, sich von der Gebrauchskeramik zu 
„Da kann man doch nicht erwarten, 
daß jemand, von dem erst einmal ein 
eigenständiges Oeuvre zu erstellen 
ist, Mitte Zwanzig marktreif ist! 
Auch für angehende Künstler sollte 
es eine ,Gesellschaft' geben." 
Dorothee v. Windheim 
437 
Kultur
	        

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