Full text: ProfilBildung

Skulptur im öffentlichen Raum meist Mißverständnissen aus- 
gesetzt ist und daß in unserer Zeit vielfach das Gefühl für 
den Umgang mit Kunst in der Landschaft fast ebenso ver- 
lorengegangen ist wie der Sinn für künstlerisch geformte Zei- 
chen des Gedenkens, entwarf er den Plan für eine Künstler- 
nekropole. In ihr sollen 40 Künstler mit den für sich selbst 
geschaffenen Grabmonumenten den Weg für einen neuen 
Dialog zwischen Skulptur und Parklandschaft weisen. Zehn 
Jahre lang mußte Harry Kramer kämpfen (und zuletzt Wider- 
stände der Naturschützer überwinden), bevor 1992 die Köl- 
ner Künstlerin Rune Mields mit ihrem Monument den 
Grundstein der Künstlernekropole im Habichtswald am 
Blauen See legen konnten. Kramer, der sein ihm verbliebe- 
nes künstlerisches Werk in eine Stiftung einbrachte, um so 
eine Finanzierungsbasis für die Nekropole zu schaffen, setzt 
auf den langen Atem. Den Künstlerfriedhof will er langsam 
wachsen lassen, die neuen Künstlergräber sollen im Dialog 
mit den vorhandenen entstehen - höchstens zwei imJahr. 
Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß es auch immer 
wieder innerhalb der Hochschule Widerstände gegen die 
übermächtige documenta gab. Das fing mit Kleinkriegen in 
Werkakademie- und Werkkunstschulzeiten an und setzte sich 
mit Auseinandersetzungen in der Gesamthochschule fort. 
Eine Ausstellung, die alle vier oder fünfjahre die sonst gel- 
tenden Maßstäbe außer Kraft setzt und manches als dritt- und 
viertrangig erscheinen läßt, was sich in anderen Städten in 
vorderster Front behaupten könnte, bereitet natürlich den- 
jenigen Schwierigkeiten, die sich nicht durch die documenta 
repräsentiert sehen. Hinter dieser Ablehnung steckt immer 
auch ein Stück Selbstbehauptung. Andererseits muß klar gese- 
hen werden, daß von der künstlerischen Praxis in den ersten 
15_]ahren der Gesamthochschulzeit nur punktuelle, über Kas- 
sel hinausweisende Impulse ausgingen. Der „Metaller" Eber- 
hard Fiebig, stets mit Sinn für Polemiken, verbarg nie seine 
Ablehnung gegenüber dem documenta-Rummel. Er schaffte 
es denn auch zum Auftakt der documenta 8 die Übergabe 
seiner blauen Skulptur „Tor des irdischen Friedens" am Hoch- 
schulgelände so zu terminieren, daß der Kritiker der Frank- 
furter Rundschau, Peter Iden, dabei sein und anschließend 
Fiebigs Arbeit als einzig ernstzunehmende Außenskulptur 
in der documenta-Stadt feiern konnte". Fünf Jahre später 
-,.Die Kunst ist nach meiner Meinung 
die einzige revolutionäre Kraft. 
Das heißt, nur aus der Kreativität des 
Menschen heraus können sich die 
Verhältnisse ändern." 
Joseph Beuys 
435 
Kultur
	        

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