Full text: ProfilBildung

„Für 1 O0 Tage entstand ein Muster- 
museum zeitgenössischer Kunst... 
Das moderne Museum soll ein 
Ort der Begegnung des Künstlers mit 
dem Publikum sein, es soll in der 
Weise der Präsentation dem 
einzelnen Kunstwerk einen Umraum 
geben, in dem es zu seiner ganzen 
Fülle und Bedeutung kommt, es soll 
immer wieder zu einem Laboratorium 
künstlerischer Arbeit werden..." 
Werner Haftmann 
die Ausstellungsorte, speziell das Museum Fridericianum und 
die Orangerie, gab, wurde die documenta-Idee zu einer kom- 
munalpolitischen Richtschnur: Das Fridericianum ist dank 
der documenta Kunsthalle, die documenta-Halle wurde unter 
anderem als Ersatz für die zum Museum umgewandelte Oran- 
gerie erbaut, das documenta-Archiv wuchs zu einer eigenen 
wissenschaftlichen Institution heran, documenta-Kunst ist ein 
eigenes Sammelgebiet innerhalb der Neuen Galerie und die 
documenta-Perspektive wurde zum Maßstab der regionalen 
Kunstkritikg. 
Arnold Bode war der zentrale Motor der ersten drei docu- 
menten (1955, 1959, 1964). Solange er zugleich als Akade- 
mieprofessor wirkte, war die Ausstellungsrealisation mit der 
Hochschule eng verbunden. Es gelang jedoch nicht, die docu- 
menta in der Kasseler Akademie und späteren Gesamthoch- 
schule personell oder institutionell zu verankern. Wohl konnte 
Karl Oskar Blase seit 1964 mehrfach die Signet-, Plakat- und 
Kataloggestaltung für die Ausstellung übernehmen sowie 
1972 und 1977 Video-Projekte beitragen"), auch gehört das 
Angebot von Seminaren zur documenta-Kunst zum Standard- 
prograrnrn der Kasseler Kunstwissenschaftler, aber schon der 
Plan, den jeweiligen documenta-Macher als Gastprofessor zu 
ge-winnen, konnte bisher nur bruchstückhaft realisiert wer- 
den. 
Mit Bodes Ausscheiden aus dem unmittelbaren docu- 
menta-Führungsteam nach 1968 entfernte sich die Ausstel- 
lungsplanung von der Hochschule und aus der Stadt. Der 
inhaltliche Einfluß der documenta-Stadt auf ihre Ausstellung 
ging auf nahezu Null zurück. Dafür wurde in den achtziger 
und neunzigerjahren ein anderer Aspekt bedeutsam: docu- 
menta-Künstler wurden nun gezielt als Professoren an die 
Gesamthochschule berufen: Dorothee V. Windheim, Alf Schu- 
ler, Norbert Radermacher, Urs Lüthi und Rob Scholte. Vor- 
her war für lange Zeit Harry Kramer der einzige Künstler 
gewesen, der auf Grund seiner documenta-Teilnahme nach 
Kassel (1969! 70) berufen worden war. 
Kramer war es auch, der aus seiner künstlerischen Hoch- 
schularbeit heraus ein Konzept entwickelt hat, das in gewis- 
ser Weise auf der documenta-Idee aufbaut und das für die 
Stadt und die Kunstwelt möglicherweise eine große Lang- 
zeitwirkung hat: Ausgehend von der Erfahrung, daß die 
Außen-Ansichten 
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