Full text: ProfilBildung

„Der Spaziergangswissenschaftler 
aber studiert ohne vorgefaßte 
Meinung und an sich selbst - nicht 
an ,Betroffenen' - den Aufbau der 
Wahrnehmung eines Ortes. 
Dabei ergibt sich zunächst 
folgendes: Die vom Planer her- 
gestellten ,Bilder' existieren 
nicht. Vor Ort sieht die Welt ganz 
anders aus als am Schreibtisch." 
Lucius Burckhardt 
15_]'ahren bestehende Forschungsgruppe durch eingeworbene 
Drittmittel finanzieren. Das ist angesichts schrumpfender 
Finanzierungstöpfe im Bereich der Wissenschaft nicht ein- 
fach, zumal dann, wenn der Anspruch besteht, gesellschaft- 
lich relevante Projekte zu bearbeiten. Zur Zeit arbeitet das 
Team an einem vom Bundesforschungsrninister geförderten 
Großprojekt, das den Widerspruch zwischen Urbanität und 
Ökologie untersucht. Doch auch zukünftige Projekte sind 
schon in Vorbereitung. Schließlich dauert die Entwicklung 
eines Forschungsvorhabens von der Grundidee über den For- 
schungsantrag bis zur ersten Förderung aus Drittmitteln einer 
Stiftung rund zwei Jahre. „Wenn wir die Entstehungsge- 
schichte unserer Projekte verfolgen", berichtet eine lang- 
jährige Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe Empirische Pla- 
nungsforschung, „dann stellen wir fest, daß sie sich oft aus 
der Lehre entwickelten und Studenten bei der Durchführung 
immer mitgearbeitet haben." 
Wie entsteht ein Forschungsprojekt aus der Lehre? Die 
Grundüberlegungen erwachsen nicht in einem Seminar, son- 
dern schon im Vorfeld. Wenn man die aktuellen Diskurse 
verfolgt, etwa die Auseinandersetzungen über eine zukünf- 
tige multikulturelle Gesellschaft oder die Ökologie-Debatte, 
dann entwickeln sich oft Fragestellungen, die die Stadt- und 
Regionalsoziologie, das Forschungsgebiet der Arbeitsgruppe, 
betreffen. Am Ausgangspunkt des gegenwärtig von der 
Gruppe bearbeiteten Forschungsprojektes zur Stadtökologie 
standen Fragen nach der Bedeutung ästhetischer Leitbilder 
für das ökologische Verhalten in der Stadt. Diese Problema- 
tik nahm ein Mitarbeiter der Arbeitsgruppe zum Anlaß, 
an den Fachbereichen Architektur, Stadt- und Landschafts- 
planung ein Seminar zum Thema Stadtwahrnehmung und 
Ästhetik zu veranstalten. In diesem Seminar wurde nicht nur 
die ästhetische Theorie erörtert. Hier hatten die Studenten 
die Möglichkeit, eigene Feldstudien in der Stadt zu unter- 
nehmen, um sie später in Form von Seminararbeiten schrift- 
lich niederzulegen. Durch die Fragestellungen dieses Semi- 
nars motiviert, entschloß sich eine Studentin, diese 
Problematik in ihrer Diplomarbeit vertiefend zu behandeln. 
Kurz gesagt: Aus der Lehre, dem Interesse der Studenten, 
erwuchs ein Antrieb für die Fortentwicklung des For- 
schungsvorhabens.
	        

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