Full text: ProfilBildung

chen dafür, daß die öffentliche Diskussion um die Lehrer- 
ausbildung wieder auf lebt, und zwar aus eben diesen Grün- 
den vornehmlich mit Zielen, wie sie in Kassel seit 25 Jahren 
verfolgt werden. Auch daß der Wissenschaftsrat kürzlich 
allen Universitäten ähnliche Organisationsformen für die 
Lehrerausbildung empfohlen hat, wie sie hier entwickelt wur- 
den, mag die GhK als Bestätigung auffassena. Vielleicht also 
können die Kasseler Reformelemente und die Erfahrungen 
mit ihnen am Ende doch Anregungen und Impulse für die 
inhaltliche Weiterentwicklung der Lehrerausbildung an ande- 
ren deutschen Universitäten liefern und dem Kasseler Modell 
einiges von seiner Pionierrolle zurückgeben, mit der es 
begann. 
Auch zu einer grundlegenden Revision der gestuften Stu- 
diengänge, die in besonderer Weise für die Studienreform an 
der GhK stehen, besteht kein Anlaß, obwohl das „Kasseler 
Modell" bis heute ein Unikat in der deutschen Hochschul- 
landschaft geblieben ist. Denn es hat sich in der Praxis 
bewährt, ist vor allem in der Region angenommen und deren 
Studentenauf kommen wie deren Bedarf an Hochschulabsol- 
venten angemessen. Hinzu kommt: Seine Abschlüsse sind 
mit denen der „normalen" deutschen Hochschultypen kom- 
patibel und deshalb auch überregional verwertbar. Es ist sinn- 
voll auch im Hinblick auf die Internationalisierung von Stu- 
dienangeboten. Denn gestufte Abschlüsse wie in Kassel sind 
in den angelsächsischen Ländern, in manchen skandinavi- 
schen Staaten und injapan die Regel; Ansätze hierfür finden 
sich mittlerweile auch in anderen europäischen Ländern. Im 
internationalen Vergleich nimmt sich daher eher das Kasse- 
ler Modell als normal aus als die ungestuften Langstudi- 
engänge der meisten deutschen Universitäten 
Tatsächlich bietet es eines der wenigen Beispiele gelun- 
gener Reform von Studienstrukturen in den letzten Jahr- 
zehnten in Deutschland. Es enthält zugleich eine exemplari- 
sche Antwort auf ein grundlegendes Strukturproblem der 
deutschen Hochschulen, das durch deren Expansion in den 
letztenjahrzehnten in aller Schärfe zutage getreten und nach 
wie vor ungelöst ist. Das deutsche Hochschulsystem steht 
nämlich sozusagen auf dem Kopf. Die große Mehrheit der 
Studierenden ist in Langstudiengängen immatrikuliert, die 
frühestens nach acht Semestern zu einem Abschluß führen, 

	        

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