Full text: ProfilBildung

Lehre und Forschung qualifizierte und effektive Dienstlei- 
stungen. 
Ein weites Feld ist auch der Zugang zur wissenschaftli- 
chen Information. Unsere Bibliothek ist einerseits die stolze 
Verwalterin der ältesten deutschsprachigen Handschrift, des 
Hildebrandlieds, und vieler anderer Kostbarkeiten aus frühe- 
ren Epochen, andererseits auch mit der Einschichtigkeit der 
Informationsversorgung ein organisatorisches Experiment 
und durch allzu späten Aufbau und viele Übergangslösun- 
gen in der Entwicklung gehindert: In welcher deutschen Neu- 
gründung konnte die Universitätsbibliothek erst nach 17 
Jahren das für sie bestimmte Haus beziehen? Und die Ein- 
schichtigkeit: Als der Wissenschaftsrat Anfang der 6Oer_]al'1re 
Empfehlungen für die Entwicklung der wissenschaftlichen 
Einrichtungen vorlegte, war es ganz selbstverständlich, 
auch die Bibliotheken der wissenschaftlichen Hochschulen 
einzubeziehen: bekanntlich ist - auch in Kassel - die wissen- 
schaftliche Bibliothek älter als die wissenschaftliche Hoch- 
schule. 
Der Wissenschaftsrat konzentrierte sich darauf, die Ver- 
selbständigung der Anschaffungspolitik der Institute wieder 
zurückzuführen auf das Gesamtinteresse und zugleich die 
Bestände der ganzen wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugäng- 
lich zu machen. Und er sah schon damals voraus, daß ange- 
sichts des explodierenden Informationsangebots einerseits 
und des quantitativen Ausbaus der wissenschaftlichen Hoch- 
schulen andererseits die finanzielle „Schere" zwischen Nach- 
frage und Angebot sich immer weiter öffnen werde. Für die 
Neugründung empfahl er unabdingbar das Einschicht- 
System, d.h. den Verzicht auf gesonderte Institutsbibliothe- 
ken. Parallel hierzu wurde das F reihandsystem auf die Hoch- 
schulbibliotheken übertragen, um dem Studierenden den 
direkten Zugang, das Sich-Hineinlesen in ein überschaubar 
präsentiertes Angebot wiederzugeben. 
Auf diesem Hintergrund stellte sich die Ausgangslage für 
die Hochschulgründung in Kassel als miserabel dar: Es gab 
zwar sowohl die ehemals fürstliche, nun staatliche Landes- 
bibliothek als auch die dem Kasseler Bürgergeist zu verdan- 
kende Murhardsche Stiftungsbibliothek. Aber die Bestände 
waren zu erheblichen Teilen im Krieg zerstört worden. 
Immerhin waren Wiederaufbau und Wiederbeschaffung in 
Einleitung 
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