Full text: ProfilBildung

ein Zweidrittel-Versteck, die Beine stehen unterhalb der Knie 
im Freien. Die Marotte sprach sich herumJeder respektierte 
das Bedürfnis, in Ruhe gelassen zu werden, übersah die kom- 
promittierenden Beine und verließ ohne Geräuspere den 
Raum. Der alte Mann war dankbar, aber doch glücklich mit 
Fünfundsechzig auch die Beine in die Anonymität retten zu 
können." Z war ratlos, er bedankte sich und ließ den Kolle- 
gen mit denjoggern in seiner blühenden privaten Hölle allein. 
Schulen sind Folterkammern für Schüler und Lehrer. 
Warum sollten sie in den alten Räumen weniger schmerzhaft 
gewesen sein als in den neuen? Als Frau Z nach einigen 
Wochen in die eheliche Idylle zurückkehrte, fand sie ihren 
Mann mit einem ABC-Pflaster auf dem Steißbein in der 
Sauna. Herr Z kippte einen Eimer kaltes Wasser über den 
Kopf und wickelte sich in den Bademantel. Seine Frau sagte: 
„Du siehst beschissen aus." - „Danke", sagte Z. „Nicht der 
Rede wert", sagte sie. Z versuchte trotz knirschender Len- 
denwirbel nicht die Fassung zu verlieren. „Sei bitte nett", sagte 
Z, „mir geht,s nicht gut." Seine Frau rumorte in der Küche, 
schob einen Teller Hühnerbrühe über den Tisch: „Nun iß 
das und sag, was los ist, das bißchen Hexenschuß kann es 
nicht sein." Z rührte mit seinem Löffel in der Suppe. „Lange 
Geschichte", meinte Z, „die Studenten wollen den Arbeiter 
veredeln, und die Dozenten können nicht mehr in Ruhe ins 
Waschbecken pinkeln." - „Scheint mir eine kurze Geschich- 
te", sagte Frau Z. „Na und", sagte Z, „dann erzähl' ich die 
eben lange. Von 1949 bis 1967 war die Hochschule in der 
Kaserne Eugen-Richter-Straße untergebracht, und all diejahre 
wartete sie auf ein eigenes Haus. Zunächst hieß sie Werk- 
akademie, dann war das nicht mehr fein genug, und sie wurde 
eine Hochschule für Bildende Künste." - „Namen", sagte Frau 
Z, „sind Namen so wichtig?" Z sagte: „Weiß ich doch nicht. 
Anscheinend fängt Sprache damit an, den Dingen Namen zu 
geben. Ich Tarzan, du Jane. Der bedeutendste Dialog der 
Filmgeschichte machte selbst ausjohnny Weissmüller einen 
Menschen. Wir finden eine Sache, und dann suchen wir einen 
passenden Begriff für die Sache. Die Philosophie hat den 
Begriff und sucht die Sache, mich bringt das durcheinander, 
aber egal. Fast zwanzig Jahre waren sie Untermieter und 
glaubten, nur Hausbesitzer sind richtige Menschen." - „Ich 
versteh' das alles nicht", sagte Frau Z. „Ich auch nicht, ich
	        

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