Full text: ProfilBildung

Die Studenten waren kein wirkliches Problem, sein Dreh- 
buch stimmte nicht mehr. Er hatte erreicht, was er erreichen 
wollte. Was macht man hinter dem Ziel? Das Leben fängt 
an, wenn der Film zu Ende ist, und dann geht es unmerklich 
immer weiter nach unten. Die Wirklichkeit ruiniert Kinder- 
träume, das Leben schreibt kein Happy End, man stirbt fast 
immer zu spät oder im falschen Augenblick. Noch so ein lau- 
siger Aphorismus und ich geh, nach Hause. Wenn dieser Saft- 
laden nicht so wackeln würde, hätte ich Zeit zum Nachden- 
ken. Soll immer ein Kamerateam hinter dir herlaufen, damit 
es bereit ist, wenn du vor die Wand fährst? Keine schlechte 
Idee. Du bist ein Idiot. Ich weiß, aber das habe ich heute 
schon einmal gehört. Selbstgespräche, grummelte Z, bei dei- 
nem Stundenlohn reine Zeitverschwendung. Er stand auf, 
um wieder Boden unter den Füßen zu haben, stützte sich mit 
der linken Hand am Schrank ab und balancierte auf dem 
rechten Bein, das linke angezogen, die Ferse in Höhe des 
rechten Knies. Er machte das des öfteren, wenn er allein war, 
um 'rauszufinden, ob die Welt gefährlich wackelt. Er ver- 
suchte es abwechselnd rechts und links, auf dem rechten 
Bein war die Welt einigermaßen stabil, auf dem linken schau- 
kelte das Universum wie betrunken. Genau, wie Z nun ein- 
mal war, mißtraute er dem Ergebnis. Es war einfach nicht 
herauszufinden, ob seine Beine unterschiedlich konditioniert 
waren oder ob der Globus auf rechts und links wider- 
sprüchlich antwortete. An einem Montagmorgen, Herr Z gab 
sich gedankenverloren seinen Exerzitien hin, kam ein Stu- 
dent ohne anzuklopfen in seine Diensträume. Erschrocken 
setzte Herr Z das Bein auf den Boden. Ohne darüber nachzu- 
denken, ob das eingezogene Bein inzwischen eingeschlafen 
sein könnte, belastete er es und fiel um. Geistesgegenwärtig 
gelang es Herrn Z, einen Wadenkrampf vorzutäuschen. Der 
Student half dem Humpelnden, einen Stuhl zu erreichen, 
hatte erschrocken durch den Sturz seine Frage vergessen und 
ging unverrichteter Dinge wieder fort. Z saß trübselig an sei- 
nem Schreibtisch; entweder taugte die Empirie nichts, dann 
ließen sich seine subjektiven Eindrücke nicht objektivieren, 
oder seine Methoden waren miserabel. Herr Z, der sich zeit- 
lebens für einen Stümper hielt, glaubte eher, daß seine Ver- 
suchsanordnungen unzureichend waren. Z war so genau, um 
sich in seiner kleinen Welt zurechtzufinden, er war genau, 
Fach-Kulturen 
228
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.