Full text: ProfilBildung

Funktionen andererseits sowie den damit verbundenen gesell- 
schaftlichen Erwartungen und Zielen ist dabei kaum auszu- 
machen. Ebenso fehlt diesen Patentrezepten ein Zusammen- 
hang zur gleichermaßen notwendigen Strukturdiskussion 
über quantitative Ausbildungskapazitäten für Agrarwirte, 
über inhaltliche Ausbildungsprofile und über Anforderun- 
gen an eine zeitgemäße, wissenschaftliche Ausbildung. 
Eine Welt 
Wenn die beispielhaft genannten, vorschnellen Antworten 
offensichtlich wenig geeignet sind, fundierte Lösungsansätze 
aufzuzeigen, ist es an der Zeit, innezuhalten und die skiz- 
zierten Aufgaben heutiger Agrarwissenschaft genauer zu defi- 
nieren und mit Inhalt zu füllen. 
Oberstes Ziel der Agrarwissenschaften ist und bleibt es, 
durch Nahrungsproduktion das Überleben der Menschheit 
zu sichern. Wie läßt sich diese Forderung angesicht der Über- 
produktion an Nahrungsmitteln in den Industrieländern auf- 
rechterhalten P 
Wie läßt sich fordern, daß dieses Ziel die Erhaltung der 
natürlichen Ressourcen als Überlebensgrundlage mitein- 
schließt, wenn Überproduktion in vielen Gegenden mit einem 
Raubbau an der Natur, mit einer Schädigung der Umwelt 
und langfristigen Veränderungen der agrarischen Kulturen 
(vgl. Poppinga und Hofstetter 1994) einhergeht? 
Wie lassen sich die folgenden wohlbegründeten Forde- 
rungen einbeziehen: daß die Landwirtschaft Aufgaben des 
Natur- und Umweltschutzes übernehmen soll (Hampicke 
1994a), daß Freizeit und Erholung, Artenerhalt und Trink- 
wasserschutz Aufgaben der Landwirtschaft sind, daß beste- 
hende familiäre, dörflich kleinräumige Sozialstrukturen wert- 
voll und schützenswert sind? 
Wenn naturzerstörender Hunger und existenzbedrohende 
Produktion zugleich zu beobachten sind, läßt sich fragen, ob 
es sich dabei nicht um zwei Seiten einer Medaille handelt, ob 
die Aufgabe hier nicht Lösungsansätze dort und die Aufgabe 
dort nicht Lösungsansätze hier bieten könnte. Ist es nicht ver- 
nünftig, die Welt als Einheit zu begreifen, statt durch Divi- 
dieren den Antagonismus zu fördern? Dann ist die Sicherung 
der Nahrungsproduktion als globale Aufgabe, der sich der 
reiche Norden nicht entziehen darf, keine moralische For-
	        

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