Full text: ProfilBildung

Mathematik 
Die Mathematik - weder Natur- noch Geisteswissenschaft - 
ist wohl die einzige Wissenschaft, die den Gegenstand ihrer 
Untersuchungen nicht bereits außerhalb ihrer selbst als gege- 
ben vorfindet, ungeachtet der zahlreichen Anregungen, die 
sie durch die Problemstellungen anderer Fächer erhält. Viel- 
mehr schafft sie sich ihren Gegenstand selbst und ist inso- 
fern weitgehend autark. Seit jeher spielt sich die Mathema- 
tik ausschließlich im Kopf des einzelnen ab. Im Gegensatz 
etwa zu den experimentellen Naturwissenschaften ist mathe- 
matische Forschung daher kaum arbeitsteilig. Arbeitsgrup- 
pen sind in der Regel sehr klein und bestehen meist aus ein 
oder zwei Hochschullehrern und ihren unmittelbaren Mit- 
arbeitern (Diplomanden und Doktoranden). Zugleich ist die 
Ausbildung der Studierenden im Diplomstudiengang-vor 
allem im Grundstudium, aber auch im Hauptstudium - sehr 
breit angelegt. Die verschiedenen Gebiete der Mathematik 
sind in oft überraschender Weise so stark miteinander ver- 
flochten, daß eine zu schmale Basis und eine zu frühzeitige 
Spezialisierung im Studium ein schweres Handicap darstel- 
len würden. Unter diesen Prämissen erscheint eine für den 
gesamten Fachbereich charakteristische verbindliche mathe- 
matische Schwerpunktbildung kaum durchführbar. 
Die Mathematik ist die Wissenschaft der „ganzjungen". 
In keinem anderen Fach werden wissenschaftliche Höchst- 
leistungen so gehäuft in jungen Jahren erbracht. In keinem 
anderen Fach fällt die Kurve der Kreativität nach dem vier- 
zigsten Lebensjahr so stark ab. Ein Fachbereich Mathe- 
matik, dessen Hochschullehrerschaft durchweg die Fünfzig 
überschritten hat und dem die Qualifikationsstellen für die 
jungen Leute fehlen, ist relativ erstarrt. 
Unter diesen Aspekten ist der Fachbereich Mathema- 
tikl Informatik gegenwärtig von drei schweren Handicaps 
betroffen: erstens durch seine organisatorische Zersplitterung 
und räumliche Trennung, zweitens durch das völlig unhalt- 
bare zahlenmäßige Mißverhältnis zwischen Hochschulleh- 
rern und wissenschaftlichen Bediensteten und drittens durch 
die Weigerung der Landesregierung, die ursprünglich in Aus- 
sicht gestellten neuen Stellen für den Aufbau eines grund- 
ständigen Studiengangs Diplominformatik in absehbarer Zeit 
zur Verfügung zu stellen. Andererseits ist der Fachbereich 

	        

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