Full text: ProfilBildung

B.R.: Wir haben auch die IAG Frauenforschung so verstan- 
den, daß sie uns dabei unterstützt, unsere Perspektiven und 
Ergebnisse in die Fachbereiche reinzutragen, aus denen wir 
ja alle gekommen sind und in denen wir auch arbeiten. 
C.E.: Du formulierst es jetzt als einen Anspruch an uns sel- 
ber. Ich formuliere es aber auch als Anspruch an die Kolle- 
gen, daß sie das, was dort an kritischen Perspektiven und 
Erweiterungen ihrer jeweiligen Fachdisziplinen entwickelt 
wird, auch aufgreifen und sich damit beschäftigen. 
B.R.: Das ist ja völlig richtig, aber es läuft ja selten so, daß 
der Anstoß von den Kollegen kommt, das ist ja das Problem. 
Allen beteiligten Wissenschaftlerinnen und vor allem den 
Frauen aus dem Mittelbau bietet die IAG eine doppelte Ein- 
bindung und Unterstützung ihrer Forschungsarbeit: zum 
einen durch die Möglichkeit, über die IAG F orschungsmit- 
tel für eigene Projekte zu beantragen und zum anderen durch 
den Austausch mit Frauen, die an ähnlichen Themen arbei- 
ten. Das heißt: Den „Mittelbau-Frauen" bietet die IAG Gele- 
genheit zum selbständigen Forschen, was für die meisten von 
ihnen in den F achbereichen schwieriger zu realisieren wäre. 
Der wissenschaftliche Austausch findet sowohl innerhalb der 
Forschungsschwerpunkte der IAG statt, die auch Frauen 
einbeziehen, die nicht Mitglieder der IAG sind, wie auch in 
Kolloquien, die ebenfalls für alle interessierten Frauen offen 
sind. Durch diese Einrichtungen bietet die IAG über ihre 
eigenen Mitglieder hinaus Frauen aus dem Mittelbau die Gele- 
genheit, ihre Forschungs- und Promotionsvorhaben in einen 
kontinuierlichen Diskussionszusammenhang zu stellen. 
C.E.: Wie könnte nach Deiner Meinung die Frauenforschung 
über die IAG hinaus gefördert werden? 
B.R.: Für die Zukunft müßte man meines Erachtens stärker 
als bisher versuchen, darauf Einfluß zu nehmen, daß die 
wenigen Cl-Stellen vermehrt mit Frauen besetzt werden. Und 
vielleicht läßt es sich doch langfristig auch realisieren, ein 
Graduierten-Kolleg zur Frauen- und Geschlechterforschung 
einzurichten. 
H.S.-St.: Ich möchte auf die gefährdete Lage des Fachs Theo- 
logie hinweisen, die betrifft auch die feministische Theolo- 
gie. Wenn sie wegfiele, würde auch für die IAG ein ganz wich- 
tiger Bereich wegfallen. Die feministische Theologie in Kassel 
hat einen anerkannten Ruf über Deutschland hinaus. 
Fach-Kulturen 
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