Full text: ProfilBildung

mehr der Kern meines neuesten Buches „Denn Gott bin ich, 
und kein Mann" (Mainz 1996) geworden. Ich bin auch des- 
wegen sehr gern hierher gekommen, weil Luise Schottroff 
schon hier war, weil ich wußte, ich bin dann als Theologin 
nicht ganz allein. Hier gibt es ein offenes Klima. Ich habe das 
auch bei der Vorstellung gemerkt, daß die Zuhörerinnen und 
Zuhörer, auch die Kollegen, relativ aufgeschlossen waren 
gegenüber feministischen Fragestellungen. In demjahr wurde 
ja auch die IAG gegründet. Also ich bin 1987 in einem sehr 
günstigen Moment gekommen. 
L.S.: Hier in Kassel habe ich immer empfunden, sowohl in 
der IAG Frauenforschung, als auch im Fachbereich 1, daß 
nicht nur unsere Frauenforschungsaktivitäten unterstützt wor- 
den sind, sondern auch alle Aktivitäten, die etwas damit zu 
tun hatten, den christlichen Antijudaismus zu kritisieren und 
eine neue Theologie zu entwickeln, die nicht mehr antiju- 
daistisch argumentiert. Dies jetzt zum Anliegen feministischer 
Theologie zu machen, ist seit Mitte der achtzigerjahre hier 
in Kassel in einer besonderen Weise profiliert und auch unter- 
stützt worden. Das habe ich immer als sehr wichtig empfun- 
den. Viele Leute haben diese Arbeit mitgetragen. 
A.N.: Ich stelle mir vor, daß in einer theologischen Fakultät 
solche Gedanken weniger Unterstützung finden, als in einer 
Hochschule, die eben keine traditionelle theologische Fakul- 
tät hat, sondern einen Fachbereich mit mehreren Disziplinen. 
H.S- St: Ist ja auch eine Frage der Zahl, wenn in einer Fakul- 
tät zehn Männer sind und eine einzige Frau, dann hat es diese 
sehr schwer. Wenn aber wie in unserem Fachbereich von 
sechs Theologen und Theologirmen zwei Frauen sind, das 
ist ein Riesenunterschied. 
H.W.: Ich bin hierher gekommen, ohne überhaupt an Frau- 
enforschung interessiert zu sein. Ich war eine Historikerin 
der ländlichen Gesellschaft im späten Mittelalter und in der 
Frühen Neuzeit und hatte sehr kritisch beobachtet, was im 
Hinblick auf Frauengeschichte lief. Ich bin erst Anfang der 
achtziger Jahre zur Historischen Frauenforschung gekom- 
men, angeregt durch die Geschichtsdidaktik, in der Forschung 
mit Adressatenbezug diskutiert wurde. Dabei wurden natür- 
lich auch die Frauen als Adressatinnen aktuell. Eigentlich 
waren es diese beiden Impulse, die meine kritische Haltung 
in kritisches Fragen gewandelt haben. Und dann entdeckte 
Fach-Kulturen 
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