Full text: ProfilBildung

14. Und doch war an der Kasseler Universität immer auch 
ein ganz anderer Geist spürbar und wirksam. Mehr als an 
allen anderen Universitäten der Bundesrepublik, die Neu- 
gründungen eingeschlossen, gab es hier, vor allem in den 
Kulturwissenschaften, Persönlichkeiten, die durch ihre quer- 
denkerische Originalität und Kreativität genau das waren, 
was die Gesamthochschule insgesamt hätte sein sollen: eine 
ernsthafte Herausforderung für den akademischen Normal- 
betrieb. Diese einzelnen, die sich keinem fachdisziplinären 
und erst recht keinem (partei-)politischen Reglement fügten, 
verkörpern das romantische Element in seiner schönsten, 
fruchtbarsten und keineswegs überholten Gestalt. Daß sie in 
Kassel ihren Platz und ihre Entfaltungsmöglichkeiten fanden, 
gehört ganz gewiß zu dem, was diese Universität aus anderen 
hervorhebt, was sie bereichert und, insbesondere für Studie- 
rende, anziehend macht. Sie sind in den letztenjahren weni- 
ger geworden, und das ist, bei allen sonst zu beobachtenden 
Fortschritten, ein schwer auszugleichender Verlust. 
Anmerkungen 
l 
Das wäre auch ganz richtig, wenn die Wahrheit als immer vorläufig und begrenzt 
verstanden und die Kritik aus dieser Wahrheit, nicht umgekehrt, die „Wahrheit" 
aus der Kritik abgeleitet würde. 
In dem Kürzel „GhK"- kunst-, phantasie-, sprach- und geschichtslos, aber leicht- 
gängig und verwaltungsfreundlich, wie es ist - hat diese technokratische Menta- 
lität ihren knappsten Ausdruck gefunden. Welches Selbstbild und welches Selbst- 
bewußtsein muß man einer akademischen Einrichtung zuschreiben, die sich mit 
einem derartigen no name-Etikett zufriedengibt? 
Fach-Kulturen 
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