Full text: Gudensberg

Die Bauernmöbel waren alle aus massivem Eichenholz, vom Schreiner handgearbei- 
tet; die Betten der (Herrschlaftem bestanden aus Gänsefedern, und auch das Leinen- 
bettzeug überzeugte durch Qualität. Die Schlafkammer der Magd befand sich auf 
dem Dachboden und war im allgemeinen schlecht ausgestattet. Im Winter wurde es 
oft unangenehm kalt, so daß sich die Mädchen einen Backstein anwärmten, der ihnen 
als 'Wärmflasche' diente. Die Knechte hatten ihre Bude über dem Pferdestall oder 
schliefen gar direkt im Stall auf Strohbetten, wo sie oft mit allerlei Ungeziefer zu 
kämpfen hatten. 
Die Entlohnung der Mägde und Knechte gestaltete sich sehr unterschiedlich. War der 
Knecht verheiratet und besaß eine Wohnung, entlohnte der Bauer ihn mit 25 bis 30 
Groschen pro Tag. Lebte er auf dem Hof, war auch sein Lohn entsprechend geringer. 
Mägde und Knechte vermieteten sich oft für den Zeitraum eines Jahres. Der Knecht 
erhielt vorn Bauern einen sogenannten Mietetaler, das Deputat meist am Ende des 
Jahres. Der Magd wurden am Jahresende durchschnittlich 100, Taler ausgehändigt. 
Zum Lohn gehörten aber auch Arbeitsschuhe und ein Arbeitskleid. Ferner erhielt sie 
- je nach Großzügigkeit des Bauern - ein Ferkel und e_twas Getreide. Überdies 
bestellte der Bauer für die Eltern des Mädchens das Land und besorgte das Holz. 
Entschied sich die Magd, dem Bauern ein weiteres Jahr zu dienen, konnte sie sich auf 
die 'Scherzetage' freuen. Scherzetage nannte man die Tage zwischen Weihnachten 
und Neujahr. In dieser Zeit brauchte die Magd nicht zu arbeiten, sie durfte sich 
vergnügen (scherzen). 
Abb. 38: Auf dem Feld im Jahre 1940 
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