Full text: Gudensberg

Mit dem Bierbrauen im städtischen Brauhaus muß auch ein reger Konsum des Bieres 
während seiner Herstellung einhergegangen sein. 1671 erhoben deshalb die Stadt- 
behörde, die fürstlichen Beamten, der Bürgermeister und der Rat Einspruch gegen 
das übermäßige Essen und Trinken im Brauhause bei Gelegenheit des Brauensf 
Dies führte schließlich dazu, daß in der Folgezeit immer weniger Bierbrauer in 
Gudensberg eine Zulassung besaßen. Wirte hatten selbst kein Braurecht, sie wurden 
für den Ausschank beliefert. Ein von der Stadt bestellter Braumeister stellte mit sei- 
nen Knechten das Bier her und lieferte auch aus. Jedem Bürger standen drei Eimer 
(!) Bier zu, für welchen Zeitraum geht leider aus den Quellen nicht hervor. Zu Hoch- 
zeiten und anderen großen Ereignissen wurde ein besonderes und sehr begehrtes Bier 
hergestellt, welches dann auch regen Zuspruch fand. 
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderten sich die Braugewohnheiten in Gudensberg 
drastisch. Waren einst sehr viele Bürger mit dem Brauereiwesen der Stadt eng ver- 
bunden, wurde die Brauerei nun an wenige Privatleute verpachtet. 1822 unterschrie- 
ben Daniel Braun und Friedrich Nöll einen sechs Jahre währenden Pachtvertrag. Um 
1855 gründeten die Bürger Heinrich Pflüger und Johannes Braun zwei neue Braue- 
reien. Der Schwiegersohn von Johannes Braun, August Metz, führte das Geschäft 
weiter und vergrößerte es. Bis zum Jahre 1908 blieb die Ecke Metzer StraßelFritz- 
larer Straße gelegene Brauerei Metz in Betrieb; sie wurde dann von der Herkules- 
brauerei übernommen. 
Ende des 19. Jahrhunderts bis Ende des I. Weltkrieges wurden die Wiesen unterhalb 
des Buchenborns mit Hilfe eines Dammes mit Wasser überflutet. Im Winter, wenn 
die Wiesen mit einer Eisschicht überzogen waren, trafen sich hier viele Schlittschuh- 
läufer. Doch das gefrorene Wasser hatte auch einen anderen Zweck: Es wurde mit 
der Axt in Blöcke geschlagen und im Schloßbergkeller auf dem Schafhof (Keller 
Pflüger) und im Keller in der Untergasse (Metz Keller) gelagert. 60 bis 80 Kasten- 
wagen waren nötig, um einen Keller mit Eis zu füllen. Bevor jedoch die Eisblöcke in 
die Keller gelangten, wurde Schnee hinein geschaufelt. Auf den Schnee setzte man 
dann die Eisblöcke. So konnte das Bier lange gekühlt werden. Die Eisblöcke wurden 
an Bierhändler und Gaststätten geliefert. Im Sommer bewahrten auch die Metzger 
ihr Fleisch in den Kellern auf. Später verpachtete die Familie Pflüger den Schloßberg- 
keller an die hiesige Molkerei. 
Das ursprüngliche Gudensberger Brauhaus ist längst abgerissen worden. Das Jahr 
seines Abbruchs ist nicht bekannt, auch nicht, wann hier das städtische Feuersprit- 
zenhaus und heutige Lagerhaus errichtet wurde. Nur die Braugasse erinnert uns 
heute noch an das alte Recht der Stadt Gudensberg.
	        

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