Full text: Gudensberg

und Mitteldissen zu. Bei der Verkopplung (Flurbereinigung) im Jahre 1880 fand man 
durch Grabungen Überreste dieser alten Ortschaften: Der mit Asche vermischte 
Lehm rechtfertigt die Annahme, daß Mittel- und Unseligendissen durch Feuer 
zerstört wurden. 
Im Jahre 1805 wurde von der Kurfürstlichen Residenz Cassel eine zweite Postrouten- 
linie durch Dissen eingerichtet. Sie führte von Cassel nach Fritzlar. Die Strecke Cas- 
sel - Dissen - Wabern bestand zu diesem Zeitpunkt bereits. Vermutlich existierte die 
von Thurn und Taxis in Lehen genommene und später von den Landgrafen übernom- 
mene Fahrpost schon im Mittelalter. Herr Sänger aus Fritzlar nutzte die Gunst der 
Stunde und richtete in dem Wohnhaus Nr. 44 in Dissen eine Posthalterei ein, die er 
nach fünf Jahren an Johannes Georg Freudenstein verkaufte. Freudenstein funktio- 
nierte die im Wohnhaus Nr. 2 gelegene Cuntzische Gastwirtschaft in eine Poststation 
um und avancierte zum Postmeister. An der Postkutschenstation Dissen wurden die 
Pferde gewechselt und Postgut sortiert. Reisende stiegen hier zu oder aus und nah- 
men des öfteren auch eine Mahlzeit zu sich. 
Das Unternehmen florierte bald so gut, daß nach kurzer Zeit sieben Postillione mit je 
vier Pferden und zwei weitere Pferde für den sogenannten "Felleisenkarren, (Brief- 
post) gebraucht wurden. Freudenstein war bald ein wohlhabender Mann. Er konnte 
seinen Grundbesitz von 30 auf 400 Acker vergrößern und besaß neben den Arbeits- 
tieren rund 40 Pferde. Die Gastwirtschaft verlegte er in das ehemalige Poststationsge- 
bäude (Haus Nr. 44) und verpachtete sie. Der geschäftstüchtige Freudenstein ver- 
säumte nun nicht, auch noch eine Branntweinproduktion in Betrieb zu nehmen, die 
beinahe das ganze Jahr über Hochkonjunktur hatte. 
Freudenstein vererbte nach seinem Tod sein Dissener Gut samt Posthalterei und Gast- 
wirtschaft an seinen ältesten Sohn Werner. Doch als um 1850 die Main-Weser-Eisen- 
bahnlinie Cassel-Frankfurt und die hessische Nordbahn in Betrieb genommen wur- 
den, war es vorbei mit der Postkutschenlinie und der Poststation Dissen. Allerdings 
fuhr nun bis zur Inbetriebnahme der Kleinbahn Grifte-Gudensberg eine Postkutsche 
von Guntershausen nach Gudensberg (vgl. Kap. "Das Wilhelminische Zeitalteri). 
Heute ist die ehemalige Cuntz'sche Gastwirtschaft und spätere Posthalterei im Besitz 
von Fritz Scheffer und trägt mit Recht den Namen "Posthof. Das andere geschichts- 
trächtige Gebäude, von dem hier die Rede War, das Haus Nr. 44, wurde im Jahre 
1984 abgerissen, damit die Bundesstraße 254 verbreitert werden konnte. 
Die jüngere Geschichte brachte für Dissen in einigen Bereichen wesentliche Neue- 
rungen. S0 war die ehemals einklassige Volksschule mit integrierter Lehrerwohnung 
bald nicht mehr zeitgemäß; bereits 1970 wurde die Schule der Gemeinde zugespro- 
chen. Nach dem Tod des letzten Schulleiters Karl Keßler gab es keinen Unterricht 
mehr.
	        

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