Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

tion zu realisieren versucht werden. 
Die Vielfalt der Reformwünsche stellte für sich kein konfliktfreies 
Programm für den Aufbau einer Hochschule dar. Spätestens in den Jah- 
ren 1972 bis 1974, in denen die weitere Umsetzung der ersten Konzep- 
tionen von Gründungsbeirat, Curriculum-Arbeitsgemeinschaften und den 
Hochschuleinrichtungen, aus denen die Gesamthochschule hervorgegan- 
gen war, zur Debatte stand, wurde auch deutlich, wie kontrovers die 
Reformkonzeptionen bei der Umsetzung in konkrete Aufbauentscheidun- 
gen werden mußten. Nicht zuletzt das gewachsene Gewicht der Lehren- 
den aus den Vorläuferorganisationen der Gesamthochschule Kassel und 
der neuberufenen Lehrenden trug in dieser zweiten Entwicklungsphase 
dazu bei, daß die Bandbreite der Ziele und Interessen sich in kontinuier- 
lichen Kontroversen über das Programm der GhK niederschlug. 
Als wohl markanteste Erträge der Reformbemühungen an der Gesamt- 
hochschule Kassel wurden in Agrarwirtschaft, Architektur, Bauinge- 
nieurwesen, Elektrotechnik, Landschaftsplanung, Maschinenbau, Sozial- 
wesen, Stadtplanung und Wirtschaftswissenschaft integrierte Studien- 
gänge nach dem sogenannten Konsekutivmodell eingerichtet: Studierende 
mit Fachhochschulreife und Hochschulreife studieren gemeinsam bis zu 
einem ersten Abschluß, der in der Zahl der Studiensemester an der 
Hochschule dem Fachhochschulstudium entspricht, jedoch in seiner 
Zielsetzung eine praxisorientie rte Synthese zwischen den Funktionen 
von Universität und Fachhochschule erreichen soll. Den Studierenden 
steht es frei, in einer zweiten Studienstufe zu studieren, die in der 
Mehrzahl der genannten Fächer zu einem zweiten Diplom führt, das 
dem der Universitäten entspricht. 
Als hervorgehobenes Studienelement zur Sicherung des Praxisbezuges 
sind die Berufspraktischen Studien zu nennen - gewöhnlich zwei zusätz- 
liche Semester, die an einem Arbeitsplatz verbracht werden und durch 
vorbereitende, begleitende und nachbereitende Veranstaltungen in das 
Studium eingebettet werden. 
Zugleich hat sich die Gesamthochschule Kassel auch in anderen Studien- 
fächern insbesondere um frühzeitige und ausführliche Orientierung der 
Studierenden, um vielfältige Elemente der Praxisorientierung des Stu- 
diums - u. a. durch Projektstudium, den Aufbau einer Stufenlehreraus- 
bildung - und um interdisziplinäre Schwerpunktbildung in der Forschung 
bemüht. 
Es kann nicht bestritten werden, daß die Gesamthochschule damit Alter- 
nativen zum vorherrschenden Studiensystem im westdeutschen Hoch- 
Schulwesen entwickelt hat. Geht man jedoch von den hochgespannten Er- 
wartungen zur Zeit der Gründung aus, so erscheinen die Ergebnisse 
eher bescheiden. Der Prozeß der Ausarbeitung von Konzeptionen, der 
Entwicklung neuer Studiengänge, der baulichen Konsolidierung und vie- 
ler anderer Aufbauarbeiten zog sich wesentlich länger hin, als zunächst
	        

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