Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

hochschule die in sie gesetzten Erwartungen einer umfassenden Reform 
des Hochschulsystems so nicht erfüllen konnte, verlor sie - auch bun- 
desweit - viele Befürworter. Sie wurde vom Modell zum Sonderfall. 
Die Auseinandersetzung um die Reformziele der Gesamthochschule wird 
in diesem Beitrag am Beispiel der Entwicklung integrierter Studiengän- 
ge nach dem "Kasseler Modell" dargestellt. Es soll nach Entstehung der 
Konzepte, nach Konflikten und Konsens in der Auseinandersetzung um 
die Konzepte, nach Zielen und Zielwandel und schließlich nach Erträgen 
der Studienreformen in der Gesamthochschule gefragt werden. Ange- 
sichts der Vielfalt und Komplexität der Probleme wurde die Darstellung 
hier auf das "Herzstück" der Kasseler Gesamthochschulreformen, die 
"curriculare Integration" der Studiengänge, beschränkt. 
Start und Verlauf der Gesamthochschulentwicklung in Kassel 
Entstehung des Konzeptes einer integrierten Gesamthochschule in Kas- 
sel (1970-72) 
Am Anfang stand vom Hessischen Kultusminister im Sommer 1970 ein 
veröffentlichter Rahmenplanlßer ein Reformpapier und zugleich einen 
Hochschulentwicklungsplan in sich zu vereinigen suchte. Der Rahmen- 
plan enthielt einerseits viele "radikale" Reformziele der ausgehenden 
sechziger Jahre für den Hochschulbereich, blieb andererseits aber re- 
lativ offen bei den konkreten Lösungsvorschlägen zur Studien- und Struk- 
turreform in Kassel. Der Kultusminister begründete diese Offenheit 
damit, daß er gemeinsame Planung mit den Betroffenen am Ort anstre- 
be und dort nicht einen perfekten Plan zu realisieren gedenke. Im Herbst 
1970 gründete er in Kassel zwei Gremien, die diese partizipatorische 
Planung am Ort realisieren sollten, und besetzte sie in der Mehrheit 
mit auswärtigen "Experten": Der Gründungsbeirat als das zentrale Ent- 
scheidungsorgan der noch zu errichtenden Gesamthochschule wurde mit 
Vertretern der Hochschulgruppen aus hessischen Universitäten und we- 
nigen Vertretern der Kasseler Vorläuferorganisationen zusammenge- 
setzt. 
Die Projektgruppe, mit hauptamtlichen Mitarbeitern besetzt, fungierte 
als Dienststelle des Kultusministeriums und bestand aus jüngeren Wis- 
senschaftlern, die vom Kultusminister ausgewählt und berufen wurden. 
Die Mitglieder der Projektgruppe, status- und altersmäßig der Hoch- 
schulassistentenschaft nahe, fühlten sich den Konzepten der Bundesassi- 
stentenkonferenz verpflichtet. Auch im Gründungsbeirat gewannen bald 
die hochschulpolitischen Vorstellungen der Landesassistentenkonfe renz 
an Einfluß. 
Aus dieser konzeptionellen Verwandtschaft entstand die Idee von einer 
Hochschule "ega1itär- demokratischer" Konzeption. Die Entwürfe betra-
	        

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