Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

In dem Bemühen, der aus dem Bombenschutt mühevoll aufgebauten 
Stadt Kassel die Chance zu einer neuerlichen Überhöhung des wirtschaft- 
lichen und geistigen Lebens zu geben, entwickelte im Jahre 1958 der 
damalige Bürgermeister und spätere Oberbürgermeister Karl Branner 
zum ersten Mal in der Öffentlichkeit seine Gedanken über Kassel als 
Standort einer Universität. Er war zu der Zeit Wirtschaftsdezernent. 
Die Fakten, die durch die 8o'loige Zerstörung der Stadt während des Luft- 
krieges geschaffen waren, bestimmten die Wirtschaftskraft der Stadt. 
Durch die Teilung Deutschlands war der Industrie- und Handelskammer 
Kassel die Hälfte ihres Hinterlandes in Thüringen um Mühlhausen herum 
verlorengegangen. K. Brannerrichtete als Wirtschaftsdezernent in Kas- 
sel Universitätswochen ein, an denen die um Kassel liegenden hessi- 
schen Hochschulen, eingeschlossen das niedersächsische Göttingen, be- 
teiligt wurden. 1964 wurden die Universitätswochen zum ersten Mal ver- 
anstaltet. Hierbei äußerte er Gedanken über die Möglichkeit der Bil- 
dung einer Medizinischen Akademie. Auch schien ihm der Gedanke an- 
gebracht, Kassel als Sitz einer Technischen Hochschule zu wählen. Er 
bedauerte in diesem Zusammenhang, daß es nicht bereits 1866 zur 
Gründung einer solchen Hochschule in Kassel gekommen sei. Seit die- 
ser Zeit wurden die Gedanken an die Gründung einer wissenschaftlichen 
Hochschule im nordhessischen Raum sowohl in der Presse wie im Rund- 
funk und Fernsehen immer breiter erörtert. Der heutige Leiter des Stu- 
dio Kassel des Hessischen Rundfunks, Kurt Morneweg, analysierte in 
zahlreichen Interviews mit vielen Persönlichkeiten, wie auch dem da- 
maligen Ministerpräsidenten Georg August Zinn, die Gegebenheiten 
Nordhessens und bestand immer wieder auf der Forderung nach einer 
Hochschule. 
In den Jahren 1962 bis 1964 richtete sich das Streben der Politiker in 
Kassel auf die Errichtung einer medizinischen Akademie. Ausgelöst 
waren diese Bemühungen durch die Notwendigkeit, die Kliniken der 
Stadt zu modernisieren und auf die Bedürfnisse des Umlandes von Kas- 
sel auszurichten. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates schienen 
die Perspektiven eröffnet zu haben. Der Magistrat der Stadt behandelte 
diese Fragen am 26. März'1962, wenige Wochen später die Kasseler 
Stadtverordneten. 1 Die Ärzteschaft des Stadtkrankenhauses legte ihre 
Überlegungen in einer Denkschrift über eine medizinische Akademie in 
Kassel ebenfalls nieder. Der damalige Hessische Kultusminister Schüt- 
te wollte die Frage der medizinischen Akademie in einer Sachverständi- 
genkommission klären lassen. Ein Jahr später lebte die Diskussion in 
veränderter Form, nämlich mit der Zielsetzung einer 2. Medizinischen 
Fakultät der Universität Marburg in KasseLwieder auf. Die Stadt Kas- 
sel ergriff selbst die Initiative zu einem Gespräch mit der Universität 
Marburg. Seit dieser Zeit betrieb die Stadt intensiv den Ausbau ihrer 
Kliniken, und sie zog ebenso systematisch habilitierte Ärzte heran, die
	        

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