Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

aus seinem Vortrag anläßlich der 2. Kasseler Hochschulwoche im Okto- 
ber 1975 mag diese Position verdeutlichen: "Versuchen wir uns an einer 
Beschreibung, einer Konstruktion der ökologischen Nische der Gesamt- 
hochschule. Ich akzeptiere dabei aus dem nordrhein-westfälischen Weg, 
daß wissenschaftliche Qualität für Prestige und Erfolg der GH unerläß- 
lich ist, und verwerfe damit die finanzpolitisch verführerische Auffas- 
sung der GH als Lehrprofessoren-Oberschule. Im schärfer werdenden 
Konkurrenzkampf um Drittmittel hat aber bei herkömmlichen Forschungs- 
themen die GH im Durchschnitt kaum eine Chance gegen die Universität. 
. . . Gesucht wäre also eine Wissenschaft, die auf die vorhandene "Grund- 
ausstattung" der GH paßt und die zugleich möglichst 
a) an die Grundlagen rührt 
b) Nachfrage hat 
c) Gefahren eher bewältigen hilft als neue schafft 
d) zu adäquatem und originellem Handeln erzieht. 
Alle vier Forderungen werden von der herkömmlichen Spezialistenfor- 
schung nur sehr begrenzt erfüllt. Was dem Ideal näherkommt, ist die 
mehrstöckige Wissenschaft, die die Praxis ernster nimmt und die der 
Lehre näher ist als die übliche Universitätswissenschaft. Es ist die Er- 
forschung des Besonderen. . . Was heißtErforschung des Besonderen? 
Während die übliche Wissenschaft sich vornehmlich für Erkenntnisse in- 
teressiert, die dauerhaft und weltweit gelten, soll sich die Erforschung 
des Besonderen der historischen, einmaligen, lokalen, verbesserungs- 
würdigen Praxis widmen. Die Ökologie, Regionalplanung und Ökonomie 
einer bestimmten Region ist mit wissenschaftlichen Methoden behandel- 
bar, aber die Resultate sind nicht bleibend: Wenn die Regionalplanung 
eingesetzt hat, haben sich ökonomische und ökologische Aussagen schon 
wieder verändert. In einer Zeit, in der die gegenseitige Abhängigkeit 
und Verletzlichkeit aller Systeme ins Bewußtsein dringt, wird auch die 
Erforschung solcher Zusammenhänge als g ru ndle ge nd empfunden, 
viel eher als die Erzeugung des Elements 107 oder die Exkretion der 
Seesterne. . . Die Begründung-für die zentrale wissenschaftspolitische 
Behauptung zur "Nische" der GH liegt a) in der weltweit passimisti- 
sehen Prognose für die traditionelle Wissenschaft, b) in der Chancen- 
abschätzung des Praxisvorsprungs, den die GH vor der Universität und 
TH hat. . . Wenn nun wissenschaftliche Programme zur Erforschung der 
Wirkung von Wissenschaft in der Praxis und zur Erforschung von ver- 
schiedenerlei Praxis in der wissenschaftlich-technischen Welt aufge- 
stellt werden, ist die Praxiserfahrung der Lehrenden an Fachhochschu- 
len eine unverzichtbare "Grundausstattung". Unverzichtbar für die Pro- 
gramme ist auch die Wissenschaft mit ihrer Tugend des unnachgiebigen 
Weiterfragens. Erst seit es Gesamthochschulen gibt, sind die beiden be- 
nötigten Personengruppen institutionell zusammengefaßt. . . Für eine 
Hochschule, die sich im wesentlichen auf disziplinäre Forschung und 
disziplinäre Lehre . . . konzentriert, ist die Organisationsfrage ledig- 
lich eine Frage überschaubarer und verwaltbarer Größenordnungen. . .
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.