Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

sehen, in eine eher marginale Rolle gedrängt. Die 1973 von den Pro- 
jektstudenten gegründete PROKO (Projektkoordination) stellt 1976 vor- 
übergehend ihre Arbeit ein, da viele der vor 1975 begonnenen Projekte 
aufgrund der veränderten Studienbedingungen (Scheinzwang, äußerliche 
Rolle des Projektstudiums etc. ) aber auch der bevorstehenden Examina 
ihre Arbeit einstellten, es andererseits jedoch kaum noch zu neuen Pro- 
jekten kam. Nur einige, eher außerhalb der Hochschule verankerte Pro- 
jekte überstanden diese Krise des Projektstudiums. Erst mit dem WS 
1978f79 lebt das Projektstudium in der Lehrerbildung wieder auf, nicht 
zuletzt durch starken Zustrom der Erstsemester und das Engagement 
von Hochschullehrerseite. Die Zahl der Projekte steigt auf 18, schließ- 
lich auf 30. Auch die inzwischen wieder arbeitsfähige PROKO verzeich- 
net erste Erfolge institutioneller Absicherung. 50 Über die Ursachen 
dieses "Projektfrühlings" läßt sich bisher nur spekulieren, aber sicher- 
lich ist einer der Gründe, daß es wieder stärker gelingt, mit Projekt- 
themen und Aktivitäten die gewandelten Bedü rfnisse der Studenten nach 
alternativen Lernerfahrungen besser zu treffen. Die Situation von An- 
fang 1981 wird von einem der beteiligten Hochschullehrer wie folgt cha- 
rakterisiert: Das ". . . selbstorganisierte, erfahrungsintensive, praxis- 
bezogene Projektstudium bildet Korrektur und Ergänzung zu den "ordent- 
lichen" im Sinne von institutionell geplanten Studienanteilen (derzeit ar- 
beiten etwa 450 Studenten in 38 Projekten, die sich neben (!) dem Kern- 
studium und übergreifenden Projekten inzwischen auf 6 Fächer ausge- 
breitet haben. Ca. ein Dutzend Hochschullehrer sind in diesem Bereich 
engagiert. In Projekten sind 16 Projektbriefe entstanden)". 51 
Doch kann das Wiedererstarken des Projektstudiums nicht darüber hin- 
wegtäuschen, daß es bis heute nicht gelungen ist, das Projektstudium 
zu einem zentralen Bestandteil der Lehrerausbildung zu machen, Hoch- 
schullehrer in nennenswertem Umfang einzubeziehen, das Projektstu- 
dium auf alle Bereiche der Lehrerausbildung systematisch auszudehnen 
und eine auf den bisherigen Erfahrungen aufbauende und von einem brei- 
teren Konsens getragene Konzeption des Projektstudiums in der Stufen- 
lehrerausbildung zu entwickeln, auch wenn die Bemühungen der PROKO 
hierzu über die Hochschule hinaus als Pionierleistung zu betrachten 
sind. 
Zum Bedeutungswandel von Lehrerbildung seit 1975 
Die Zeit um 1975 muß für die Kasseler Stufenlehrerausbildung insofern 
als Wendepunkt betrachtet werden, als sie von da ab - im Gefolge der 
"Tendenzwende" von 1973[74 .- bildungspolitisch und in der Hochschul- 
entwicklung zunehmend in die Defensive gedrängt wird. Hauptursache 
dafür ist die Perspektivlosigkeit des Lehrerberufs. Während Lehrerstu- 
denten um 1970 noch gesuchte Garanten zukünftigen gesellschaftlichen 
Fortschritts waren, sind sie gegen Ende der 70er Jahre für Öffentlich-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.