Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

gewiesen. Awar bemunt sich unz nocn einmal eine gemeinsame, von 
den Organisationseinheiten getragene "Projektstudienkommission" um 
eine interdisziplinäre Perspektive für das Projektstudium. Doch dies 
gelingt ihr nicht. Sie legt einen Bericht über die - auch in den verschie- 
denen Fachbereichen - divergierenden Auffassungen zum Projektstu- 
dium vor. "Da aus verschiedenen Gründen kaum Aussicht auf Erfolg be- 
steht, in relativ kurzer Zeit ein von allen Disziplinen zu akzeptieren- 
des wissenschaftstheoretisches Selbstverständnis zu entwickeln, das 
mehr beinhaltet, als ganz allgemeine Formulierungen, entschloß sich 
die Kommission, den Pluralismus im wissenschaftstheoretischen 
Selbstverständnis als gegeben vorauszusetzen und pragmatisch vorzu- 
gehen, mit der Hoffnung, daß am Ende einer längeren Entwicklung eine 
Annäherung der verschiedenen Auffassungen resultieren könnte, die im 
Augenblick als unerreichbar erscheint". 48 ' 
Daß sich das Projektstudium in den kommenden Jahren dennoch auswei- 
tet und zwar als Alternativangebot, als eine Art "partiellen Gegensta- 
diums" liegt wohl einerseits an den noch unentschiedenen Studiengangs- 
strukturen sowie an der Initiative und der aktiven Tolerierung durch ei- 
nen Teil der Hochschullehrer, andererseits am entschiedenen Willen 
der neuen Studenten, die Möglichkeiten einer Gründungssituation zur 
Initiative und Selbstregulierung des Studiums wahrzunehmen. So entste- 
hen, ausgehend vom sogenannten Urprojekt "Produktionssektor" im 
Wintersemester 1972 die folgenden vier Projekte: Spieltage, Fremd-, 
Mit- und Selbstbestimmung, Schule und Sozialisation, Schülerladen 
Waldau. 
Doch die Gründungssituation mit ihrer strukturellen und inhaltlichen 
Offenheit sowie dem starken Engagement aller Beteiligten - einem Be- 
griff von Projektstudium als interdisziplinär-praxisbezogener und 
selbstverantworteter Alternative zum Lehrangebot offenbar günstig - 
wird mit dem Durchschlagen der Tendenzwende jäh beendet. 
Am 11. 2. 1974 legen die in Projekten arbeitenden Studenten der Lehrer- 
ausbildung ein Papier vor, in dem sie ihre bisherigen Erfahrungen mit 
dem Projektstudium zu einem Konzept mit Organisationsplan verarbei- 
teten. Demzufolge gliedert sich das Projektstudium nach Projektgrup- 
pen, Projektkoordination, Projektkursen, Projektplenum und Projekt- 
briefen. 49 In der anschließenden Diskussion wird über die Bedingungen 
des Projektstudiums berichtet. Obwohl zu diesem Zeitpunkt vermutlich 
mehr als 3oo Studenten in 28 Projekten arbeiten, wird festgestellt, daß 
Hochschullehrer sich bisher kaum um die Betreuung von Projekten be- 
mühen, daß Projekte im wesentlichen auf den Bereich der Gesellschafts- 
und Erziehungswissenschaften beschränkt sind und daß das Projektstu- 
dium bisher keine rechtliche Absicherung erfahren hat und keine orga- 
nisatorischen und materiellen Unterstützungen seitens der Organisa- 
tionseinheiten erhält. Daran wird sich bis Ende der 70er Jahre wenig 
ändern. Das Projektstudium wird, vom gesamten Lehrangebot her ge-
	        
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