Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

tegrationsbemühungen auf den Binnenbezirk der einzelnen Studienberei- 
che beschränkt. Es gelang nicht, den Inhalt der erziehungs- und gesell- 
schaftsw issenschaftlichen Ausbildung mit den fachwissenschaftlichen 
Studienteilen in einen gesicherten und kontinuierlichen Studien- und Dis- 
kussionszusammenhang zu bringen. Damit konnte auch die prägend in 
das Bewußtsein ihrer Repräsentanten hineinwirkende strukturelle und 
methodische Fremdheit zwischen den Fächern nicht überwunden wer- 
den; sie wirkt unbewältigt und oft kaum reflektiert als Studienbelastung 
für die Studenten fort. 
Hinsichtlich des Projektstudiums und der Schulpraktischen Studien fiel 
ebenfalls schon in der Anfangsphase die Entscheidung, sie nicht - wie 
noch im hessischen "Diskussionsentwurf zur Neuordnung der Lehrer- 
ausbildung" gefordert 19 - als Studienprinzip und -praxis in den Ablauf 
des gesamten Studiums zu integrieren. Sie werden als abgetrennte 
Komplexe behandelt, was beim Projektstudium dazu führt, daß es sich 
für eine Mehrzahl von Studenten auf eine fakultative Zugabe oder ein 
begrenztes Alternativangebot relativiert. Bei den Schulpraktischen Stu- 
dien ist allerdings zu berücksichtigen, daß an der Gesamthochschule 
Kassel erstmals in Hessen der Versuch der Einrichtung einer gleich- 
gewichtigen schulpraktischen Ausbildung auch für künftige Gymnasial- 
lehrer unternommen wurde. Die damit und mit der Neueinführung von 
Praktika verbundenen Belastungen für die Schulen in und um Kassel 
ließen eine blockartige Konzentration der Praktikumstätigkeit an den 
Schulen, kombiniert mit semesterbegleitenden Teilen, als einzig mög- 
liche Lösung erscheinen. 
Die Situation der Stufenlehrerausbildung ist also schon in ihrer Anfangs- 
phase durch latente Differenzen in den Studienkonzeptionen und durch 
unaufgearbeitete Momente der inhaltlichen und organisatorischen Desin- 
tegration gekennzeichnet. Auf der anderen Seite bietet die noch sehr 
diffuse und rechtlich kaum abgesicherte Studiensituation dort weitrei- 
chende Möglichkeiten, wo die entsprechenden Freiräume erkannt und 
[nitiativen ergriffen werden. So kommt es auch, daß sich das Projekt- 
studium obwohl institutionell nur wenig gefördert und vom Lehrkörper 
kaum mi-tbetreut, zeitweilig stärker entfaltet, wenn auch in einer aus 
der Außensicht eingespielter Lehrgewohnheiten oft ungeregelt erschei- 
nenden Weise. 
Die Ambivalenz zwischen den prinzipiell bestehenden weitreichenden 
Handlungsmöglichkeiten und den sich faktisch vollziehenden Einschrän- 
kungen bietet auf dem Hintergrund eines ungebrochenen Reformengage- 
ments den Hochschullehrern und Studenten genügend Anreiz, um sich 
nach einer ersten Einarbeitungsphase intensiv der Neugestaltung des 
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