Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

Seit nunmehr zehn Jahren findet bundesweit die Ausbildung von Sozial- 
arbeitern und Sozialpädagogen an Hochschulen statt. Diese Studienre- 
form bedeutet einen markanten Einschnitt in deren Ausbildungs- und 
Berufsgeschichte. So kann dieser Bericht nicht nur Erinnerung und Be- 
trachtung der Kasseler Situation sein, er reflektiert zugleich zehn Jah- 
re Neuorientierung im Ausbildungswesen für soziale Berufe - wenn 
auch in Kassel alles "ganz anders" gewesen ist. Besser - günstiger? - 
nun, man wird sehen. 
Zur Ausgangslage und zur Entwicklung in der Bundesregublik 
Die Geschichte der sozialen Berufe ist nicht eben lang und läßt sich 
grob in wenigen Sätzen rekapitulieren. Ehrenamtliche Tätigkeit in der 
kommunalen Armenpflege, christlicher Dienst am Nächsten, eine die 
Familienerziehung ergänzende oder ersetzende Kinderbetreuung waren 
unter anderem die Vorläufer von Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Ca- 
ritas, aufgeklärte Philanthropie, patriarchalische und bürgerliche Für- 
sorge sind deren Antriebskräfte. Die sozialen Folgen der industriellen 
Revolution forderten sie verstärkt heraus. Daß aus all diesen Ansätzen 
schließlich Berufe wurden, war eines der Ergebnisse der bürgerlichen 
Frauenbewegung im ausgehenden 19. Jahrhundert. Entsprechend han- 
delte es sich bei ihnen zunächst um reine Frauenberufe. Erst in der 
Weimarer Zeit mit ihrer progressiven sozialen Gesetzgebung und mit 
der im Gefolge der Jugendbewegung einsetzenden sozialpädagogischen 
Bewegung öffneten sich einzelne Arbeitsgebiete - Gefangenenfürsorge, 
Arbeit mit männlichen Jugendlichen, soziale Administration und Vor- 
mundschaftswesen - auch Männern als spezielle Berufstätigkeit. 
Die Ausbildung war zunächst und blieb über Jahrzehnte geschlechts- 
spezifisch organisiert. Neben den Kindergärtnerinnen- und Jugend- 
leiterinnen-Seminaren (die ersten im ausgehenden 19. Jahrhundert), 
neben den Sozialen F rauenschulen (die ersten vor dem ersten Weltkrieg) 
gab es seit Mitte der 20er Jahre einige wenige Ausbildungsstätten für 
Männer, deren wohl erste und bedeutendste die an der Hochschule für
	        

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