Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

meinte uns selbst, und konsekutives Modell bedeutete zwei Abschluß- 
prüfungen für uns. 
Im Jahre 1974 schlossen sich die beiden bisher getrennten Organisa- 
tionseinheiten Architektur (FHS) und Architektur, Landschaftsarchitek- 
tur (HbK) zusammen. Im Studium haben die Studenten zwei Prüfungen 
abzulegen: nach 6 (+ 2 Praxissemestern) die Diplomprüfung I, nach wei- 
teren 2 Semestern die Diplomgzrüfung H; beide Prüfungen führen zum 
Berufstitel Dipl. -Ingenieur. 1 Das mag manchen, vor allem den Stu- 
denten, unsinnig vorkommen, aber es hat einerseits die noch unsinnige- 
re Vordiplomprüfung der Hochschulen ersetzt und ist andererseits der 
notwendige, wenn auch ein wenig verformte Ausdruck der Integration 
von Fachhochschule und Hochschule. 
Wenn man heute in der Dekanskonferenz der Hochschulen oder den Aus- 
bildungsgremien der Architektenkammern die vorsichtige Umnebelung 
des Problems erlebt, sieht, wie hinter beweglichen Manövern um die 
nebensächliche Studiendauer die klassifizierende Bildungsbarriere er- 
halten bleibt, wird erkennbar, welche bildungspolitische Bedeutung dem 
integrierten Studiengang in Kassel zukommt. Er überwindet als einzi- 
ger die Kluft zwischen den Fachhochschul-Architekten und den Hoch- 
schul-Architekten, die mit unterschiedlichem Sozialprestige und beim 
Staat in unterschiedlichen Besoldungsstufen nach den Buchstaben ihres 
Architektengesetzes doch die gleiche Arbeit verrichten. Und er übe r- 
windet vor allem die Diskriminierung der Fachhochschul-Architekten an 
den Hochschulen, wo sie mehr oder weniger wie Studienanfänger behan- 
delt werden. 19 
Deutlich wird die Bedeutung des Modells leider auch an der heftigen Ab- 
lehnung, die es offen oder versteckt überall dort erfährt, wo Privile- 
gien gefährdet werden oder auch im Vergleich die Diskriminierung er- 
kennbar wird. Wie in ähnlichen Fällen wird dem Studiengang als Ganzes 
angekreidet, daß er das Fachhochschulstudium in sich aufgehoben hat, 
in dem ihm selbst das Fachhochschuletikett angeheftet wird. 
Sicher wird das Problem der Anerkennung alle Beteiligten - Absolven- 
ten, Fachbereiche, die Hochschule und das Kultusministerium - auch 
weiterhin noch beschäftigen. Aber in allen Auseinandersetzungen hat 
sich bisher gezeigt, daß am hochschuldidaktischen Konzept der ersten 
anwendungsbezogenen wissenschaftlichen Studienphase und der darauf 
aufbauenden zweiten forschungsorientierten wissenschaftlichen Vertie- 
fung kein Fehler gefunden werden kann. Die Kritik stellt sich deshalb 
auch nicht der hochschuldidaktischen Diskussion, sondern muß formale 
Kriterien rein universitärer Studiengänge heranziehen.
	        

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