Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

men, die Hochschullehrer verlangten von den Mitarbeitern des Modell- 
versuchs in erster Linie Serviceleistungen. Da im Technikbereich Archi- 
tektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau und Elektrotechnik die per- 
sonellen Voraussetzungen und die Reformprozesse sehr unterschiedlich 
waren, mußte der Modellversuch immer wieder beim Bemühen, die Ge- 
meinsamkeit des Studiengangmodells für die auseinanderdriftenden Be- 
reiche verbindlich zu halten, nach allen Seiten heftige Fehden ausfech- 
ten. Ich kann hier nicht das komplizierte Miteinander und Gegeneinan- 
der von Studenten, Hochschullehrern, Fachbereichen, Mitarbeitern des 
Modellversuchs und Mitarbeitern des Kultusministeriums nachzeichnen 
oder gar bewerten. 13 
Zwei Erfahrungen aber möchte ich noch anfügen: Daß die Gesamthoch- 
schule über ein durchsetzbares, für alle Technikbereiche gültiges Stu- 
diengangmodell verfügt, ist auf die aus unserem bornierten Interesse 
oft angefeindete und mißverstandene Arbeit des- Modellversuchs zurück- 
zuführen. Andererseits wurde das Modellversuchskonzept der Tatsache, 
daß bestehende Studiengänge während des fortlaufenden Siudienbetrie- 
bes umgebaut werden mußten, nicht gerecht. Planung, Implementation 
und Durchführung eines neuen Studienganges erweisen sich im Kern und 
in allen Phasen abhängig von der Reformarbeit der Studenten und Hoch- 
schullehrer. 
Berufspraktische Studien 
Für den Studiengang Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung 
liegt der wichtigste Erfolg des Modellversuchs in der Durchsetzung der 
Berufspraktischen Studien. 14 In dieser zweimal je einsemestrigen Ar- 
beit des Studenten in der Berufspraxis realisiert die Gesamthochschule 
ihren Auftrag, ein praxisorientiertes Studium zu gestalten. 
Zunächst erschien uns das Problem viel einfacher lösbar: Aus der 
theoretischen Diskussion über das Versagen der herrschenden Archi- 
tektur und Planung war, folgerichtig abgeleitet, Praxisorientierung 
vermeintlich die Kritik der Architekten- und Planerpraxis. Die Praxis- 
orientierung, die als besondere Eigenart der Fachhochschulen galt, 
wird in diesem Zusammenhang als eine unmittelbar in der jeweils ak- 
tuellen Berufspraxis verwertbare Qualifikation entlarvt. In dieses Bild 
paßt dann umgekehrt die Ansicht der Be rufspraktiker, den Theoretikern 
der Hochschule sei der Zugang zu den Problemen und Bedingungen des 
Berufes verstellt. In der curricularen Arbeit mußten wir lernen, daß 
diese beiden Ansichten der Berufstätigkeit sehr berechtigt sind und sich 
nicht zu einem widerspruchsfreien Lehrkonzept verbinden lassen. Die 
Bedingungen der beruflichen Tätigkeit sind nur in den Büros und auf den 
Baustellen selbst zu erfahren und können nur erfolgreich verändert wer- 
den, wenn der Student sie im Studium überprüfen und kritisieren kann.
	        

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