Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

gung, menschliche Umwelt in ihrer Gesamtheit, Gebäude immer mit 
ihrer Umgebung, Stadtquartiere immer in ihren Grünflächenvn, die 
Siedlung immer in der Landschaft zu betrachten. In die Lehre vom 
Bauen und der Stadtplanung wirkt das grüne Bewußtsein von der Verant- 
wortung an der Natur. 
Wie zum Hohn aber hat dieser grüne Zweig der Studienreform nicht in 
das aktenkundige Bewußtsein der Bürokraten an Hochschule und im Kul- 
tusministerium vordringen können. Jahrelang gelang es in den politi- 
schen Auseinandersetzungen nicht einmal, die Existenz dieses Studiums 
zur Kenntnis zu bringen. Und heute noch muß jede Personalstelle mit 
einem Aufwand erkämpft werden, als gelte es, einen Grünen ins Parla- 
ment zu boxen. 
Wie eine siebenjährige Dürre hat sich mittlerweile der administrative 
Unverstand auf das vielversprechendste Feld der Studienreform in Kas- 
sel ausgewirkt. Zugeschüttet von einer Flut von Studierenden,schafften 
acht Landschaftsplaner immer nur das Notprogramm. Konzepte und 
Pläne für eine wissenschaftliche Institution, die sich verantwortlich 
fühlt für den sorgsamen, nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Res- 
sourcen unseres Landes, sind im Windschatten falscher ministerieller 
Entscheidungen verkümmert. 
Mit dem wachsenden Bewußtsein der Gesellschaft für die selbstmörderi- 
sche Zerstörung ihrer natürlichen Lebensgrundlagen entsteht ein Be- 
darf nach kritischer Reflexion der Fehler und auch der Möglichkeiten 
ökologisch richtigen Verhaltens, der nicht nur die Studiennachfrage in 
die Höhe schnellen läßt - auch in den politisch-administrativen und öko- 
nomisch-technischen Auseinandersetzungen wird gerade dieser Sach- 
verstand mehr und mehr erforderlich und auch gefordert. Aber nie ist 
es dem Präsidenten Weizsäcker, der doch unermüdlich von der ökolo- 
gischen Option der GhK öffentlich träumte, gelungen, dieses Feld an 
seiner Hochschule zu bestellen. 
Modellversuch 
Als ein besonders schwieriges Problem der Studiengangplanung erwies 
sich der Modellversuch "Integrierte Studiengänge der Technik". Als 
Modellversuch anerkannt, sollten die Planungskosten der neuen Tech- 
nikstudiengänge in Kassel zur Hälfte vom Bundeswissenschaftsministe- 
rium getragen werden. Dafür sollten die Planungserfahrungen den Län- 
dern und dem Bund verfügbar gemacht werden. So klar und einfach das 
Planungskonzept war - der Modellversuch entw ickelt den neuen Studien- 
gang, der Kultusminister richtet ihn ein und die Fachbereiche führen 
ihn durch -, so weit war es von der Realität entfernt. 12 Der Fachbe- 
reich ließ sich die Planung nicht aus der Hand nehmen, die Planungser- 
gebnisse wurden unmittelbar in die bestehenden Studiengänge übernom-
	        

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