Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

Darstellung der relevanten Fachstrukturen aus Ökonomie, Politik, So- 
ziologie, Ökologie und Arbeitswissenschaften anzubieten, aus dem er- 
sichtlich wurde, in welcher Weise heutzutage technischer Fortschritt 
und Ingenieurarbeit eingebettet sind in komplexe gesellschaftliche Struk- 
turen und Abhängigkeiten. Auch hier war den Curriculumplanern bewußt, 
daß eine hohe Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten notwendige Vor- 
aussetzung für die Realisierung des Konzeptes war. Hinzu trat die An- 
nahme, daß die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften dem für die wirt- 
schaftliche und soziale Entwicklung so wichtigen Bereich der Technolo- 
gie inzwischen inhaltlich, methodisch und empirisch soweit nahegekom- 
men waren, daß eine berufsbezogene Darstellung - und nicht nur eine 
aus der Struktur der eigenen Disziplin gespeiste - möglich schien. Be- 
stärkt wurden die Überlegungen der Planer auch durch die in den betref- 
fenden Jahren an Bedeutung und Umfang zunehmende Diskussion über 
Fragen der Umweltbelastung durch rasche technologische Entwicklung, 
sowie über technology-assessment und Arbeitsmarktprobleme bei tech- 
misch-hochqualifizierten Arbeitskräften außerhalb des traditionellen Zir- 
kels der mit Ingenieurausbildung befaßten Institutionen. 
(c) Theorie technischer Systeme: Moderne Ingenieurausbildung - auch 
hier im weltweiten Vergleich - hat sich von den klassischen Anwendungs- 
bereichen des Ingenieurwissens, also Planung, Produktion, Konstruk- 
tion, Fertigung und Vertrieb, immer stärker zu wissenschaftlicher Ar- 
beit in Forschung und Entwicklung hin bewegt. Luft- und Raumfahrtin- 
dustrie, der durch den Einsatz von elektronischen Rechnern ermöglich- 
te höhere mathematische Aufwand und der Zwang zur Entwicklung im- 
mer komplexerer und komplizierterer Maschinensysteme führten zu ei- 
ner Systemorientierung in den angewandten und fortgeschrittenen Tech- 
nikwissenschaften. Systemdenken wurde Allgemeingut. Kybernetik, 
Systemtechnik, systematisches und methodisches Konstruieren wurden 
demzufolge als neue Lehrfächer eingeführt. Daneben entwickelten auch 
die Sozialwissenschaften Ansätze zur Analyse, Planung und Beeinflus- 
sung sozialer Systeme. Das Konzept einer Theorie technischer Syste- 
me an der GhK beinhaltete zunächst den zuerst genannten Systemtech- 
nik-Ansatz, hatte jedoch in einer weitergehenden Perspektive auch die 
Berücksichtigung sozio-technischer Systeme in Lehre und Forschung 
avisiert. 
(d) Projektstudium: In der Studienreformdiskussion der ausgehenden 
60er Jahre spielte der Gedanke einer Umgestaltung der Hochschulbil- 
dung im Sinne "Forschenden Lernens" 5 eine große Rolle. Zunächst in 
den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, dann in der Lehrerbil- 
dung, später aber auch in den Naturwissenschaften, der Architektur so- 
wie den Technikwissenschaften wurde dieser Ansatz eines Selbstbestimm- 
ten Lernens von Studenten in Gruppen immer mehr zur Forderung der an 
einer Verbesserung der Lernumwelt und des Lernens an den Hochschu- 
len Interessierten, vornehmlich der Hochschuldidaktiker. Die Studenten-
	        

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